Humor haben viele Werke von Thomas Bayrle, aber von der grimmigen Sorte: Der Irrsinn einer übermotorisierten Gesellschaft bietet ihm Ansatzpunkte für originelle Arbeiten zum modernen Technik-Fetischismus.
Damit wurde er Ende der 1960er Jahre zum wichtigsten deutschen Pop-Art-Künstler, zeigt die Werkschau im Würzburger Museum im Kulturspeicher.
Mittlerweile plustert er magere Ideen zu Großformaten auf, wie in der Frankfurter Schirn Kunsthalle zu sehen: "Thomas Bayrle - Stadt, Land, alles im Fluss + Fröhlich sein!".
Freie Fahrt für freie Bürger: Der Pop-Artist Thomas Bayrle hat wie kein anderer den Wahnsinn der automobilen Gesellschaft in Kunstwerke verwandelt.
Mit seriell komponierten Superformen: Das Museum im Kulturspeicher zeigt die Bandbreite seines Schaffens, die Schirn Kunsthalle dessen Grenzen.
Erst kommt die Massenfertigung, dann die Massenmobilisierung: Kein anderer deutscher Künstler hat die Prinzipien der Fließbandproduktion so konsequent umgesetzt wie Thomas Bayrle.
Dazu ging er in die passende Lehre: 1937 in Berlin geboren, machte er ab 1956 in Göppingen eine Ausbildung zum Musterzeichner und Weber. Dabei lernte er so genannte Jacquard-Webstühle kennen, die dank Lochkarten automatisiert Muster weben – ein frühes Beispiel für digitale Datenverarbeitung.
Die monoton ratternden Webstühle versetzten Bayrle nach eigenen Worten in Trance und ließen ihn nahezu Visionen erleben; jedenfalls schlug sich diese Erfahrung in seiner späteren Arbeit nieder.
Danach studierte er Druckgrafik an der Werkkunstschule Offenbach, bevor er 1961 mit einem Partner eine Grafik-Werkstatt gründete und künstlerisch tätig wurde.
Beim Drucken spielt das Serielle als Wiederholung des Gleichen oft eine große Rolle, etwa bei der Herstellung von Banknoten oder Briefmarken – samt Abweichungen von der Norm.
Mao Tse-tung oder Roter Stern
Mitte der 1960er Jahre baute Bayrle neun aufwändige, „Superkatapulte“ genannte Maschinen-Skulpturen.
Wohl die bekannteste ist „Mao“ (1966): Hunderte kleiner Sportler-Figuren werden von einem Elektromotor so bewegt, dass im Wechselspiel entweder das Porträt des „Großen Vorsitzenden“ der KPCh oder ein riesiger Roter Stern zu sehen sind.
Ein verspielter und zugleich galliger Kommentar zu totalitärer Ästhetik: Solche Mega-Bilder aus unzähligen Menschen werden bis heute bei offiziellen Anlässen in Rotchina oder Nordkorea inszeniert.
Kunst+Film-Redaktion
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Thomas Bayrle: Rosaire, 2012, Citroën 2 CV-Motor, Elektroantrieb, Soundinstallation, 132,2 x 65 x 70 cm. © Thomas Bayrle, VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Museum für Moderne Kunst Frankfurt
Thomas Bayrle: VW-Käfer (blaue Version), 1969, Courtesy Thomas Bayrle & neugerriemschneider Berlin, © VG Bild-Kunst Bonn 2026, Foto: Wolfgang Günzel
Thomas Bayrle: $, 1981, Courtesy Thomas Bayrle & neugerriemschneider Berlin, © VG Bild-Kunst Bonn 2026, Foto: Jens Ziehe



