Gesellschaft Freunde der Künste
Die Zeit der Merowinger

Die vergessene Dynastie: Merowinger-Könige beherrschten 300 Jahre lang Westeuropa

Eine vermeintlich dunkle Epoche beleuchtet hingegen die Ausstellung "Was bleibt? Die Zeit der Merowinger".

Diese Dynastie beherrschte Westeuropa knapp 300 Jahre lang; wie ihr das gelang, ist heute fast vergessen. Nicht ganz:

Das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken erklärt anhand von Grabbeigaben souverän damaliges Leben und entscheidende Ereignisse - so wurde seinerzeit die Islamisierung Europas verhindert.  

Die vergessene Dynastie:

Merowinger-Könige beherrschten 300 Jahre lang Westeuropa, vom 5. bis 8. Jahrhundert.

Mangels Texten bleibt diese Epoche mysteriös; was man über sie weiß, stammt meist aus Gräbern. Solche Fundstücke präsentiert das Museum für Vor- und Frühgeschichte sehr anschaulich und attraktiv.

Ein blinder Fleck der Vergangenheit: Im Geschichtsbild der meisten Mitteleuropäer klafft beim Frühmittelalter ein schwarzes Loch.

Die Spätantike lässt man gemeinhin mit der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers 476 n. Chr. enden.

Da hatte bereits die Völkerwanderungszeit eingesetzt; sie zieht sich bis etwa 568 hin, als die Langobarden Norditalien eroberten.

Mit dem Aufstieg der Karolinger-Dynastie ab Mitte des 8. Jahrhunderts kündigt sich das Hochmittelalter an. Was aber geschah zwischen diesen Eckdaten?

Ganz einfach: die Herrschaft der Merowinger

Dieses Königsgeschlecht gründete und regierte das fränkische Reich von Mitte des 5. Jahrhunderts bis 751, immerhin rund 300 Jahre lang.

Das von ihm kontrollierte Territorium erstreckte sich von der heutigen französisch-spanischen Grenze bis in die Niederlande und von der Bretagne bis nach Bayern und Thüringen, umfasste also schon die meisten Gebiete des späteren Frankenreichs unter Karl dem Großen (747-814).

Umso erstaunlicher, dass die kollektive Erinnerung an die Merowinger hierzulande so verblasst ist.

Täufling als Begründer Frankreichs

In Frankreich ist das anders: Dort wird Chlodwig I. (466-511) als erster französischer König und Begründer der Nation verehrt.

Vor allem wegen eines Ereignisses: Um 500 ließ sich Chlodwig taufen, angeblich mit 3000 seiner Gefolgsleute; damit begann die Christianisierung des fränkischen Reichs.

Dabei konvertierte er zum römisch-katholischen Glauben und ging auf diese Weise ein Bündnis mit dem Papst ein.