Mit »Der Sohn« feiert das Staatstheater Augsburg am Freitag, 3. Juli 2026, in der brechtbühne im Gaswerk die letzte Schauspiel-Premiere der laufenden Saison.
Florian Zellers Familiendrama rückt ein hochaktuelles, oft tabuisiertes Thema ins Zentrum: jugendliche Depressionen und ihre Folgen.
Die Inszenierung von David Ortmann ist bis Ende Juli in insgesamt fünf Vorstellungen zu sehen und steht ab September erneut auf dem Spielplan.
Der aus Frankreich stammende Autor Florian Zeller, der sich in den letzten Jahren auch als Filmregisseur und Drehbuchautor einen Namen gemacht hat, ist international einer der meistgespielten zeitgenössischen Dramatiker.
Seine Theaterstücke zeichnen sich in der französischen Tradition des well made play durch pointierte Dialoge und eine feine Figurenpsychologie aus, die die Handlung auf ein (unausweichliches) Ende zusteuern lassen.
In seinem Drama »Der Sohn« gelingt es Zeller, das Tabuthema jugendlicher Depressionen präzise und emotional nachvollziehbar zu erzählen und dabei die absolute Hilflosigkeit des familiären Umfelds spürbar zu machen.
Zu Beginn ist es eine Familiengeschichte, wie es viele gibt: die Eltern trennen sich, der 17-jährige Nicolas lebt bei seiner Mutter, während sein Vater Pierre mit neuer Partnerin und Baby ein anderes Leben beginnt.
Doch anstatt sich auf den Abschluss zu freuen, schwänzt Nicolas die Schule. Die Mutter ist ratlos. In der Hoffnung auf Besserung zieht Nicolas zu Pierre.
Der nimmt sich seines Sohnes an und versucht mit allem, was ihm zur Verfügung steht, das Stieffamilien-Leben und seinen anspruchsvollen Job unter einen Hut zu bekommen.
Die räumliche Nähe scheint zu wirken. Doch neue Konflikte entstehen und Nicolas verzweifelt zunehmend am Leben.
Pierre entdeckt Narben auf dem Unterarm seines Sohnes – man ahnt: Das ist mehr als jugendliche Rebellion. Nicolas braucht Hilfe. Können die Eltern das alleine leisten? Und wann ist es dafür zu spät?
David Ortmann, leitender Regisseur am Staatstheater Augsburg, inszeniert Zellers Drama als einfühlsame und tiefgründige Familiengeschichte, an die sich aus der eigenen Erfahrung anknüpfen lässt.
Es geht um Rollenerwartungen an Eltern, um Konflikt- und Kommunikationsweisen von Familien und um den Versuch, die psychische Krise eines Kindes zu bewältigen.
David Ortmann ist es »ein persönliches Anliegen, auch solchen Stoffen im Spielplan Raum zu geben, denen man für gewöhnlich lieber aus dem Weg gehen würde.
Das überwältigende Echo auf die Inszenierung von ›Weltwärts‹, das den assistierten Freitod zum Thema hatte, hat uns gezeigt, dass es eben oft die vermeintlichen Rand-Themen sind, die für unser Publikum eine besondere Relevanz haben«, so der Regisseur.
Bühnen- und Kostümbild von Justus Saretz setzen der konkret psychologischen Erzählung des Stücks etwas entgegen:
Nicht eine realistische Wohnzimmersituation wird hier nachgebaut, sondern ein Raum geschaffen, der auf mehreren Ebenen die Themen Isolation und Alleinsein ausstellt und zugleich die Figuren zueinander ins Verhältnis setzt.
Vom Schauspielensemble des Staatstheater Augsburg sind Thomas Prazak als Vater (Pierre), Elif Esmen als Mutter (Anne) und Gerald Fiedler als Arzt auf der Bühne zu erleben, ergänzt um die Gäste Sofie Gross (Sofia) und Jonathan Walz, der die Rolle des Sohns (Nicolas) übernimmt.
Mit ihrer Inszenierung wollen David Ortmann und sein Team auch ein Zeichen dafür setzen, den Kampf gegen Depressionen anzugehen – als eine der häufigsten Krankheiten überhaupt, gerade bei Jugendlichen:
»Wir wollen raus aus der Tabuzone und rein ins Leben mit diesem Drama, das trotz seiner Tragik als ein Plädoyer für das Leben verstanden werden kann«, fasst David Ortmann zusammen.


»Der Sohn« Florian Zellers Familiendrama in der brechtbühne. Collage zu »Der Sohn« (c) Justus Saretz / Simon Chmel / Jan-Pieter Fuhr



