Gesellschaft Freunde der Künste
Oslo-Stories: Träume

Emotionale Irrungen und Wirrungen, in Queeres Erwachen in Oslo

Eine Gymnasiastin in Oslo verguckt sich in ihre Lehrerin und schreibt ihre unerfüllten Gefühle auf - daraus wollen Mama und Oma ein Buch machen.

Was nach Allerwelts-Teenie-Liebeskummer klingt, verwandelt Regisseur Dag Johan Haugerud in ein feinsinniges Psychogramm - ähnlich redseligen französischen Filmen über emotionale Irrungen und Wirrungen wie etwa von Éric Rohmer.

Zurecht wurde "Oslo Stories: Träume" auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären prämiert.

(Kinostart: 8.5.) Queeres Erwachen in Oslo: Eine Schülerin verknallt sich in ihre Lehrerin – aus ihren Notizen machen Mutter und Großmutter ein Buch.

Das verwandelt Regisseur Dag Johan Haugerud mit beeindruckendem Feingefühl in ein Psychogramm der ersten Liebe; prämiert mit dem Goldenen Bären.

Es beginnt mit Wolken am Himmel: zart hingetupften Wattebäuschen vor blauem Grund.

Unterlegt von einer Stimme, die sich ausmalt, wie ihr Wesen in den Wolken enthalten sei; diese Stimme gehört Johanne (Ella Øverbye).

Die 17-jährige Gymnasiastin hat sich in ihre neue Französisch-Lehrerin Johanna (Selome Emnetu) verliebt.

Sie ist eigentlich Textilkünstlerin und eine Quereinsteigerin im Schulbetrieb mit offenbar äthiopischen Wurzeln, was aber nicht weiter thematisiert wird.

Johanne hat den Verlauf ihrer ersten Liebe niedergeschrieben; nun schildert sie im Rückblick das Geschehene, Szene für Szene, Empfindung für Empfindung.

Mit bewunderungswürdiger sprachlicher Sensibilität für feinste Regungen und souveränem Wechsel in die Beobachterperspektive – Johanne weiß von Anfang an, dass ihr Liebessehnen kaum Erfüllung finden wird. Fast eine halbe Stunde lang ist praktisch nur ihr Off-Kommentar zu hören.

Flauschig weiche Hygge-Welt

Dann findet sie einen Kniff, ihrer Lehrerin nahe zu sein.

Sie simuliert Interesse am Stricken, Johanna bietet ihr an, es ihr beizubringen – und schon kommt sie einmal wöchentlich in deren Apartment.

Das schicke Loft in einem Stahl-Glas-Kasten ist mit lauter Kissen, Decken, Vor- und Wandbehängen als kuschlige Wohnhöhle eingerichtet.

Ohnehin hat Regisseur Dag Johan Haugerud den ganzen Film als flauschig weiche Hygge-Welt ausgestattet, in der Frauen in dicken Wollpullis und Schals – Männer kommen bis auf einen Therapeuten kurz vor Schluss nicht vor – sich mit Vorliebe auf Sofas und Betten rekeln oder einrollen.

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OSLO STORIES: TRÄUME