(Kinostart: 20.3.) Porträt einer Künstlerin ohne Kunstwerke: Im Biopic über Niki de Saint Phalle sind weder ihre Schießbilder noch ihre berühmten Nanas zu sehen.
Stattdessen fokussiert Regisseurin Céline Sallette auf Missbrauch und Traumata – Kunst als Fortsetzung von Psychatrie mit anderen Mitteln.
Eine Künstlerin schießt sich frei: Mitte der 1950er Jahre montierte Niki de Saint Phalle (1930-2002) Farbbeutel und Sprühdosen auf Leinwände und feuerte mit einem Luftgewehr darauf, bis sie platzten.
Derartige Bilder waren voller bunter Spritzer, Klekse und Farbnasen, als hätte jemand sie zum “Bluten” gebracht.
Diese eigenwillige Methode war Saint Phalles Eintritt in die Kunstwelt – als Angriff gegen die patriarchalische Ordnung der Welt.
International bekannt wurde die Französin mit adeligen Wurzeln jedoch erst mit den so genannten “Nanas” (französisch für „junge, freche Mädchen“): Die bunten Frauenfiguren aus Pappmaschee und Polyester waren groß, voluminös und betont weiblich.
1966 schuf sie für das Museum für Moderne Kunst in Stockholm die riesige liegende Skulptur einer Schwangeren, deren Körper die Besucher durch eine vaginale Öffnung zwischen ihren Beinen betraten – womit sie enormes Aufsehen erregte.
Enkelin verweigerte Mitarbeit
Weder die provokativen Schießbilder noch die berühmten “Nanas” sind im Debütfilm von Regisseurin Céline Sallette zu sehen, obwohl er nach Niki de Saint Phalle benannt ist.
Die Enkelin und Nachlassverwalterin der Künstlerin, Bloum Cardenas, hat jegliche Mitarbeit verweigert. Das nötigte die Regisseurin, ihren Film ohne Kunstwerke zu realisieren.
Alles beginnt mit dem Bild einer weißgepuderten Prinzessin samt feuerroten Lippen und funkelnder Krone auf dem Kopf: Charlotte Le Bon verkörpert eine junge Aristokratin, die als Mannequin arbeitet.
Aber Niki de Saint Phalle – geboren in der Nähe von Paris, aufgewachsen in den USA, streng katholisch erzogen – will Anfang der 1950er Jahre weder Adlige noch Model sein.
Ihre Kunst+Film-Redaktion


Mit ihrem rabiat-unkonventionellen Ansatz verschafft sich Niki (Charlotte Le Bon) viel Aufmerksamkeit. Foto: © Neue Visionen Filmverleih
Niki (Charlotte Le Bon) befreit sich durch künstlerisches Schaffen von ihren Dämonen. Foto: © Neue Visionen Filmverleih



