Gesellschaft Freunde der Künste
1775 kam Goethe nach Weimar

Ein schwer verdaulicher Brocken - Overkill für den Olympier - Faust – Eine Ausstellung

Ganz andere Ambitionen hat "Faust - Eine Ausstellung" im Schiller-Museum in Weimar: Zum 250. Jubiläum von Goethes Ankunft in der Stadt will die Schau sein Hauptwerk erklären, interpretieren und alle Quellen beleuchten, aus denen der Dichter schöpfte. Mit diesem Mammut-Anspruch überheben sich die Kuratoren:

Die Ausstellung ist ein ebenso schwer verdaulicher Brocken wie das Drama selbst.

Overkill für den Olympier: 1775 kam Goethe nach Weimar, was die Klassik Stiftung mit einem Faust-Themenjahr feiert. Die Ausstellung zum Drama-Hauptwerk im Schiller-Museum probt den Spagat aus Dokumentation und Entertainment; so überladen und schwer verdaulich, wie vielen die Tragödie selbst erscheint.

Hier ein teuflischer Mephisto, dort Monster oder Bilder von der Apokalypse: Ein Potpourri aus allen möglichen „Faust“-Inszenierungen und -verfilmungen flimmert über vier Bildschirme gleichzeitig.

Was als Einstimmung auf den unglücklichen Gelehrten Heinrich Faust gedacht ist, der wissen will, was die Welt im Innersten zusammenhält, gerät zur schwer erträglichen Reizüberflutung. Also schnell weiter.

Zu den Stellwänden, auf denen in großen Buchstaben eher abgegriffene Faust-Zitate stehen; aus dem Kontext gerissen ergeben sie wenig Sinn. Hilfreicher ist da schon die Station, die einen groben Überblick über die Handlung und Hauptpersonen gibt.

Oder die fiktive Faust-Landschaft, die der Comic-Zeichner Simon Schwartz entworfen hat: In einer mittelalterlichen Kleinstadt verteilen sich die zentralen Orte aus dem „Faust I“ – Margaretes Zimmer, Auerbachs Keller oder der Kerker.

Unverkrampftes Wandgemälde

Um sie herum breitet sich eine Fantasielandschaft mit Bergschluchten und Felsbuchten des Ägäischen Meers aus, die vom „Faust II“ inspiriert sind. Das Wandgemälde ist ähnlich verwirrend wie die Vorlage, nähert sich ihm aber auf erfrischend unverkrampfte Art und Weise.

Gewiss: Es ist nicht leicht, eine Ausstellung über ein literarisches Werk zu machen. Erst recht nicht bei einem Werk der Superlative, das Literaturwissenschaftlern nach fast 200 Jahren noch Rätsel aufgibt.

Feature zur Ausstellung. © Klassik Stiftung Weimar

Kunst+Film-Redaktion

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Faust. Eine Ausstellung