Genauso artenreich ist das Einzugsgebiet des Amazonas: Neben unzähligen Tieren beherbergt es 350 Völker, die rund 300 Sprachen sprechen.
Diesen kulturellen Makrokosmos will die Bonner Bundeskunsthalle umfassend vorstellen.
Doch "Amazônia – Indigene Welten" erweist sich quasi als zwei parallele Ausstellungen: einerseits traditionelle ethnologische Artefakte, andererseits zeitgenössische Kunst von Indigenen. Beides bleibt unverbunden.
350 Völker leben im Einzugsbereich des Amazonas-Stroms, auf einem Gebiet so groß wie Europa.
Eine Mammut-Ausstellung in der Bundeskunsthalle will die Kulturen der gesamten Regenwald-Region umfassend vorstellen – trotz opulenter Inszenierung fallen aber die meisten Details unter den Tisch.
Exoten, die keine sein wollen: Auf einem Monitor am Eingang zur Ausstellung sind Doku-Bilder aus einer Siedlung im Amazonas-Gebiet zu sehen.
Dazu zählt ein Bewohner auf Portugiesisch gängige Vorstellungen über Indigene auf, etwa: „Wir sind ständig nackt“ – dazu sieht man Dörfler in T-Shirts, Shorts und Flipflops. Oder:
„Wir essen stets mit den Fingern“, während ein Mann eine Schale auslöffelt. Oder: „Wir sind von der Welt abgeschnitten“, derweil ein Junge das TV-Programm verfolgt. Die Botschaft ist klar: Die üblichen Zuschreibungen sind völlig überholt.
Daher soll diese Schau differenzierte Kenntnisse über Lateinamerikas Regenwald-Region vermitteln, die etwa so viel Fläche einnimmt wie Europa.
Mit rund 400 Exponaten dürfte sie die größte zu diesem Thema sein, die hierzulande je auf die Beine gestellt wurde.
Wobei die Ausstellung in Kooperation mit Frankreichs bedeutendstem ethnologischen Museum entstand, dem Musée du quai Branly in Paris.
Und eigentlich wohl eine Übernahme darstellt, denn die Mehrzahl der gezeigten Stücke stammt aus dessen Bestand, die übrigen meist aus Spezial-Sammlungen in Brasilien.
Erlesene Präsentation
Ihr enormer Umfang gerät sowohl zur Stärke als auch zur Schwäche der Schau. Wie häufig bei großen französischen Museen ist die Präsentation von erlesener Qualität.
Aufwändige Multimedia-Inszenierungen wechseln ab mit bedacht zusammengestellten Vitrinen; eine ausgefeilte Licht- und Farbenregie sorgt für dezente Dramatik; alle Erläuterungstexte fallen kurz und prägnant aus.
Dennoch wirkt die Ausstellung nicht wie aus einem Guss, sondern eher wie zwei parallel installierte Ausstellungen. Das liegt an ihrem hohen Anspruch.
Kunst+Film-Redaktion
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Iano Mac Yawalapiti, Szene vom Kwarup-Fest, Dorf der Yawalapiti, Indigenes Xingu-Gebiet (Brasilien), 2022, 2023, 2024 © Iano MAC YAWALAPITI
Iano Mac Yawalapiti, Szene vom Kwarup-Fest, Dorf der Yawalapiti, Indigenes Xingu-Gebiet (Brasilien), 2021 © Iano MAC YAWALAPITI
Denilson Baniwa, Caçadores de Ficções Coloniais [Jäger kolonialer Fiktionen], Niterói (Brasilien) 2021 © Denilson Baniwa



