"Kontinental '25" handelt jedoch von sozialen Konflikten im heutigen Rumänien. Ein Obdachloser begeht Selbstmord - das bereitet einer Gerichtsvollzieherin heftige Gewissenbisse.
Woraus wortreich kaum etwas folgt; Regisseur Radu Jude verfilmt ein weiteres Mal eine Fast-Nicht-Handlung mit statischen Einstellungen voller redseligem Palaver.
(Kinostart: 9.10.) Wie man mit dem Holzhammer moralisiert: Bevor er aus seinem Unterschlupf geworfen wird, begeht ein Obdachloser Selbstmord – das löst bei einer rumänischen Gerichtsvollzieherin heftige Gewissensbisse aus.
Ihre folgenlose Zerknirschung inszeniert Regisseur Radu Jude wortreich und langatmig.
Das Werbeposter für „Kontinental ’25“ sieht aus wie ein Filmplakat aus den 1950er Jahren: rechts seitenfüllend das aquarellierte Antlitz von Hauptdarstellerin Eszter Tompa mit treuherzigem Augenaufschlag; links davon ebenfalls in Wasserfarben eine Gründerzeit-Hausfassade.
Dieser Retro-Look ist kein Zufall oder Designer-Spleen, sondern dem Reklamemotiv für den Spielfilm „Europa ’51“ von Roberto Rossellini nachempfunden:
Darauf blickt das gemalte Konterfei von Ingrid Bergman misstrauisch hinter stilisierten Gittern hervor.
In diesem Klassiker des italienischen Neorealismus von 1952 erlebt Ingrid Bergman eine radikale Wandlung:
Von Schuldgefühlen nach dem Unfalltod ihres Sohnes gepeinigt, will die Industriellen-Gattin fortan Kranken und Elenden helfen – stößt aber dauernd auf Widerstand und wird am Ende in die Psychiatrie eingewiesen.
Regisseur Rossellini, Bergmans damaliger Ehemann, konfrontierte in diesem Film eine Quasi-Heilige in der Nachfolge des Franziskus von Assisi mit der Nachkriegs-Realität, nach dem Motto: Wie würde Jesus sich verhalten, käme er jetzt zurück auf Erden?
Karikatur von Rossellini
Obwohl er die Ausgangsidee übernommen hat, ist der rumänische Regisseur Radu Jude nicht so ambitioniert: „Man könnte sagen, mein Film ist eine Art Karikatur von Rossellini.“
Denn von universeller Nächstenliebe und praktischer Mildtätigkeit, die vor 72 Jahren Ingrid Bergman zu ihren guten Taten bewogen, ist nichts mehr übrig. Es bleiben nur noch Schuldgefühle.
Kunst+Film-Redaktion
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Der Obdachlose Ion (Gabriel Spahiu) treibt sich häufig im Dino-Park herum - hier nutzt er den parkeigenen Sessellift. Foto: Grandfilm
Gerichtsvollzieherin Orsolya (Eszter Tompa, li.) schüttet ihrer Freundin Dorina (Oana Mardare) ihr Herz aus. Foto: Grandfilm
Gerichtsvollzieherin Orsolya (Eszter Tompa) trinkt mit Gendarmen einen Kaffee - sie warten darauf, dass der Obdachlose seinen Unterschlupf verlässt. Foto: Grandfilm



