Von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs erzählt dagegen "Amrum": Ein Junge ist mit seiner Mutter auf die Nordsee-Insel geflüchtet - und versucht alles, um ihr ein Honigbrot zu beschaffen.
Diese betuliche Kindheitserinnerung des Filmemachers Hark Bohm hat Regisseur Fatih Akin ihm zuliebe inszeniert: mit malerischen Aufnahmen von Küsten- und See-Idylle an der Grenze zum Kitsch.
(Kinostart: 9.10.) Ein Königreich für ein Honigbrot: Fatih Akins Verfilmung einer Idee des Filmemachers Hark Bohm ist eine Liebeserklärung an seinen Mentor und das Kino der Emotionen.
Leider verläuft sich der Film in der Schönheit der Nordseeinsel-Landschaft und watet dabei am Rand des Kitsches.
Die Nordseeinsel Amrum in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs: „Der Russe steht“, wie eintreffende Flüchtlinge berichten, „50 Kilometer vor Berlin“.
Alliierte Bombergeschwader, die mit Kurs aufs Festland über die Köpfe der Bewohner hinweg ziehen, stellen hier keine wirkliche Bedrohung mehr dar. Dennoch ist das Leben angesichts des allgemeinen Mangels nicht leicht.
Auch der zwölfjährige Nanning (Jasper Billerbeck) muss auf dem Feld und beim Sammeln von Treibholz mit anpacken.
Er und seine Mutter Hille (Laura Tonke) haben sich auf die Insel gerettet, nachdem ihr Haus im Feuersturm nach der Bombardierung Hamburgs abgebrannt ist.
Obwohl Hille ursprünglich von Amrum kommt, wird Nanning von den anderen Jugendlichen nicht als Einheimischer anerkannt, sondern schikaniert wie die übrigen Geflüchteten.
Mutter denunziert Arbeitgeberin
Damit könnte er leben. Schwierig wird seine Lage allerdings, als Hille, eine hundertprozentige Nationalsozialistin, die Bäuerin Tessa (Diane Kruger) anzeigt, für die er arbeitet.
Tessa hat über das nahe Kriegsende gesprochen, was als „Wehrkraftzersetzung“ gilt und streng bestraft wird. Damit verliert Nanning zugleich eine Vertraute und einen wichtigen Zugang zu Nahrungsmitteln.
Einziger Wunsch: ein Honigbrot
Als im Volksempfänger-Radio Hitlers Tod verkündet wird, verfällt Hille in eine tiefe Depression. Ihr einziger Trost wäre, wie sie Nanning sagt, ein Weißbrot mit Honig.
Das ist jedoch angesichts der Versorgungslage nicht nur ein Ding der Unmöglichkeit, sondern auch der eigentliche Auslöser der Handlung in Fatih Akins „Amrum“.
Kunst+Film-Redaktion
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Nannings Mutter Hille (Laura Tonke, li.) glaubt fest an den Endsieg - hier mit Tante Ena (Lisa Hagmeister). Foto: © Warner Bros. Pictures Germany
Nanning (Jasper Billerbeck) muss mitanpacken – zum Beispiel beim Fischen mit Sam Gangsters. Foto: © Warner Bros. Pictures Germany
Nanning (Jasper Billerbeck, mi.) arbeitet jeden Tag mit seinem besten Freund Hermann (Kian Köppke, re.) auf den Feldern der Bäuerin Tessa (Diane Kruger). Foto: © Warner Bros. Pictures Germany



