Gesellschaft Freunde der Künste
Eine schrille Groteske aus wirren Szenen

Der Zustand der israelischen Gesellschaft zwischen Dekadenz und Rachegelüsten, in Yes

Auf Kohärenz und Erzähllogik pfeift dagegen Regisseur Nadav Lapid. Er will den inneren Zustand der israelischen Gesellschaft nach zwei Jahren Gaza-Krieg als schrille Groteske darstellen, doch "Yes" wird zum wüsten Reigen aus wirren Szenen mit dilettantischen Darstellern.

Nur der russische Schauspiel-Profi Alexei Serebrjakow sorgt für einen erhellenden Moment. 

(Kinostart: 13.11.) Das erste Opfer des Gaza-Kriegs ist die Kreativität: Regisseur Nadav Lapid will den Zustand der israelischen Gesellschaft zwischen Dekadenz und Rachegelüsten anprangern.

Seine schrille Groteske aus wirren Szenen legt allerdings nahe, dass er selbst zwischen Schockstarre und Weltekel schwankt.

Ein Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, Sie sind Regisseur. Ihr kleines, aber hochgerüstetes Land wurde vor zwei Jahren von einer Terrorgruppe überfallen, die eine niedrige vierstellige Zahl ihrer Landsleute ermordete.

Daraufhin ging die Armee massiv gegen die Hochburg der Terroristen vor – Bilanz bisher: eine mittlere fünfstellige Zahl von Todesopfern und eine zerbombte Millionenstadt.

Die Vergeltung fällt so unverhältnismäßig aus, dass selbst enge Verbündete und Geldgeber auf Distanz zu ihrer Nation gehen.

Über deren Zustand wollen Sie nun einen Film drehen – wie?

Dafür wählt Nadav Lapid die Form einer schrillen Groteske. Deren Hauptfigur Y. (Ariel Bronz) ist ein mittelloser Pianist, der jeden Auftrag annimmt, um ein paar Schekel zu verdienen.

Gemeinsam mit seiner Frau, der Hiphop-Tanzlehrerin Yasmine (Efrat Dor), gibt er auf Partys der Oberschicht den überdrehten Pausenclown.

Beide wirbeln herum wie Derwische, machen waterboarding mit Soßen-Schüsseln, lassen sich in den Pool fallen – oder lecken after hours einer Auftraggeberin die Ohrmuscheln aus.

Siegeshymne über Feind-Vernichtung

Aber für ein auskömmliches Familienleben mit Baby Noah im so hedonistischen wie teuren Tel Aviv reicht es nicht. Da kommt Avinoam (Sharon Alexander), PR-Manager der Regierung, wie gerufen:

Auf einer Superreichen-Jacht vermittelt er Y. einen lukrativen Job.

Ein russischstämmiger Milliardär (Alexei Serebrjakow) beauftragt den Pianisten, eine vor Chauvinismus strotzende Siegeshymne zu schreiben, mit dem Tenor: Israel vernichtet seine Feinde jederzeit und überall.

Kunst+Film-Redaktion

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Yes (offizieller dt. Trailer) | Der neue Film von Nadav Lapid | mit Ariel Bronz & Efrat Dor