Ab 1961 wird das idyllische Südtirol zum Schauplatz von blutigem Terror.
Eine Untergrund-Organisation will mit Attentaten die Loslösung von Italien herbeibomben; sie sprengt vor allem Strommasten, tötet aber auch Polizisten.
Der Riss über das Für und Wider solcher Aktionen geht in "Zweitland" mitten durch eine Familie. Dem widmet Regisseur Michael Kofler ein eindrucksvoll inszeniertes Kammerspiel.
(Kinostart: 4.12.) Terror in Südtirol: Mit Bombenattentaten wollten Separatisten ab 1961 die Loslösung von Italien erzwingen.
An dieses wenig bekannte Kapitel europäischer Gewaltgeschichte erinnert Regisseur Michael Kofler mit einem präzise konstruierten Kammerspiel und prägnanten Akteuren.
Ärger im Ferienparadies: Dass die majestätischen Berge und malerischen Täler von Südtirol in den 1960er Jahren Schauplatz von blutigem Terrorismus waren, kann man sich heute kaum noch vorstellen.
Doch der Anlass dafür ist bis heute präsent: das Nebeneinander der deutschen Sprachgruppe, knapp zwei Drittel der gut halben Million Einwohner, und der italienischen, die etwa ein Viertel ausmacht.
Die Ursache dafür reicht mehr als 100 Jahre zurück.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Südtirol von Italien annektiert; die Faschisten unter Mussolini verfolgten eine rücksichtslose Assimilierungspolitik.
Nach dem Zweiten Weltkrieg handelten Italien und Österreich 1948 ein Autonomiestatut für die Provinz aus, doch es wurde de facto unterlaufen:
Rom förderte den Zuzug italienischer Arbeitsmigranten, die Industrie-Jobs und Sozialwohnungen erhielten. Die angestammte deutschsprachige Bevölkerung fühlte sich ausgebootet.
Brüderpaar auf Berghof
Dagegen formierte sich ab Mitte der 1950er Jahre Widerstand: Der „Befreiungsausschuss Südtirol“ (BAS) kämpfte für das Selbstbestimmungsrecht der Region – letzlich für ihre Loslösung von Italien und die Wiedervereinigung mit Österreich.
1961 wurde die Untergrund-Organisation militant. Hier setzt der Film ein und beleuchtet den Konflikt am Beispiel eines Brüderpaars, das gemeinsam einen kleinen Berghof bewirtschaftet.
Kunst+Film-Redaktion
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Paul (Thomas Prenn) fährt an einem Felsen mit dem Tiroler Adler und dem Schriftzug "Los von Rom" vorbei. Foto: Starhaus Produktion
Anton (Laurence Rupp) muss den Bauernhof verlassen und über die Grenze fliehen. Foto: Starhaus Produktion
Die gegensätzlichen Brüder Paul (Thomas Prenn, unten) und Anton (Laurence Rupp) ringen miteinander. Foto: Starhaus Produktion



