Vom Cellisten Julian Steckel kuratiert, feiert die Veranstaltungswoche im barocken Kaisersaal des Klosters St. Mang die Tradition des Füssener Lauten- und Geigenbaus.
Unter dem diesjährigen Thema „Resonanzen“ stehen beim Festival vielsaitig vermehrt junge Ensembles auf der Bühne, kennzeichnend für die Edition 2025 sind außerdem außergewöhnliche Konzertprogramme und Cross-over von Genre zu Genre.
Während zum Beispiel das Leonkoro Quartett gleich zweimal eine Reise durch drei Jahrhunderte antritt, widmet sich Cuarteto SolTango dem argentinischen Tanz auf eine Weise, die dem Publikum den Atem rauben soll.
Ebendies hat der junge Pianist Frank Dupree gemeinsam mit seinen Triopartnern Jakob Krupp (Bass) und Obi Jenne vor, indem er die Grenzen zwischen Klassik und Jazz einfach einreißt.
Zu den weiteren Gästen zählen die Geigerin Ragnhild Hemsing sowie die chinesischen Künstler Feng Ning und Wen Xiao Zheng. Programminfos auf www.festivalvielsaitig.stadt-fuessen.de
(3. bis 10. September 2025)
Jahrhundertealte Kunst und moderne Werkstätten
Dank des hochwertigen Holzes aus den umliegenden Bergwäldern, der alten Via Claudia Augusta als einer bis in die Neuzeit vielgenutzten Handelsverbindung und dem Transportweg Lech war Füssens Aufstieg als Lautenbau-Mekka kaum verwunderlich.
1562 wurde Europas erste Zunft ihrer Art in Füssen gegründet.
Die neue Organisationsform der Handwerker in der Stadt am grünen Wildfluss deutete aber bereits auf erste Probleme des Berufsstands hin:
Nicht alle Lautenbauer vor Ort fanden Arbeit und zogen daher in Richtung Italien oder Österreich weiter.
Heute gibt es in Füssen und Umgebung sechs Betriebe, die die Tradition am Leben erhalten und immer noch Instrumente von höchster Qualität fertigen, so etwa die Geigenbauwerkstätten von Pierre Chaubert und Sohn Eric oder von Oliver Radke sowie der Zupfinstrumentenspezialist Urs Langenbacher, der auch Lauten herstellt.
Einen Besuch wert ist auch die Lauten- und Geigensammlung im Museum der Stadt Füssen im ehemaligen Benediktinerkloster St. Mang.
Sie gilt als eine der deutschlandweit schönsten und beherbergt eine eindrucksvolle Sammlung historischer Exponate.
Nicht zuletzt können Interessierte den Lautenmacherbrunnen am Brotmarkt in Füssens Altstadt besuchen, dessen Brunnenfigur nach einem Porträt von Caspar Tieffenbrucker (1514-1571), bedeutendster Vertreter seiner Zunft im früh-neuzeitlichen Füssen, in Bronze gegossen wurde.


Unter anderem dem Cellisten Julian Steckel ist zu verdanken, dass Füssens reiche Geschichte als Lauten- und Geigenbau-Metropole bis heute weiterlebt. Das alljährliche Festival vielsaitig steht unter seiner Regie. © Marco Borggrev



