Osttirol liegt nicht gerade auf dem Weg. Die Region südlich des Alpenhauptkamms hat keine Autobahn und keinen Flughafen. Dafür Dreitausender, Seitentäler und Dörfer, in denen vieles noch seinen eigenen Rhythmus hat.
Wer Innovation vor allem da vermutet, wo Start-ups, Forschungslabore und Großstadt aufeinandertreffen, dürfte überrascht sein. Denn ausgerechnet im „Land der Berge“ entstehen Ideen, die ziemlich weit voraus sind.
Vielleicht liegt das daran, dass man in Osttirol schon immer mit dem arbeiten musste, was ohnehin da ist: mit Holz aus der Region, alten Höfen, Handwerk, überliefertem Wissen – und mit einer Landschaft, die nicht beliebig umgebaut werden kann.
Was anderswo schnell ersetzt wird, bekommt dort eine zweite Chance. Was fehlt, wird eben anders gelöst.
Aus einem alten Stall wächst ein modernes Ferienhaus, aus einem denkmalgeschützten Stadl ein vielseitig genutzter Ort, aus regionaler Schafwolle ein zeitgemäßes Schlafsystem. Osttirol erfindet sich dafür nicht neu, es denkt das Bestehende weiter.
Wenig als Ausgangspunkt für Neues
In Osttirol haben die natürlichen Gegebenheiten eine Haltung geprägt, die bis heute sichtbar ist: eigene Lösungen entwickeln und Bewährtes weiterdenken.
Über den Tourismus hinaus zeigt sich das bei Unternehmen, die technologische Entwicklung mit ihrer regionalen Verwurzelung verbinden.
Der Erfindergeist reicht von zeitgemäßen Genussprodukten über intelligente Energiesysteme bis zu maßgeschneiderten Industrielösungen. Hightech und Bergdorf sind dort kein Widerspruch. Im Tourismus bekommt dieser Ansatz eine andere Form.
Sie zeigt sich in Gastgebern, die alte Gebäude weiterdenken, kleine Strukturen zu eigenständigen Urlaubsorten entwickeln oder Architektur selbst zum Erlebnis machen.
Wer sagt eigentlich, dass ein Ferienhaus rechteckig sein muss?
Manchmal beginnt Fortschritt mit einer ungewöhnlichen Form.
Der Ufogel bei Nussdorf-Debant denkt das Ferienhaus neu: Kompakt, komplett aus Holz und auf Stelzen gebaut, verbindet die fast schwebende Konstruktion eigenwillige Architektur mit einem unkonventionellen Reiseerlebnis.
Ein Haus, das fast aussieht, als hätte es sich ein Stück vom Boden gelöst.
Bei Collis Hill prägen drei dreieckige Holzhäuser das Unterkunftskonzept. Die „Tichas“ greifen die Form von Berggipfeln und Tipis auf und bieten Raum für Kreativworkshops, Yoga-Retreats oder eine Auszeit zu zweit, mit der Familie oder Freunden.
Beim Hochobn am Lienzer Schlossberg rückt das Übernachten selbst in den Mittelpunkt: Im Baumzelt schlafen Gäste mitten in der Natur und zugleich geschützt über den Baumkronen.
Für ungemütliches Wetter stehen Hütte, Bad und WC als komfortable Alternative bereit. Drei Beispiele, die auf den ersten Blick ziemlich unterschiedlich sind und doch etwas gemeinsam haben: Sie versuchen nicht, die Landschaft zu übertrumpfen – sie finden ihren Platz in ihr.


Holz, Höhe, Haltung: Der Ufogel bei Nussdorf-Debant in Osttirol denkt das Ferienhaus auf Stelzen neu. Foto: © Thomas Pitterl



