Wenn der Herbst den Lech hinunterzieht, verändert sich das Unterwegssein spürbar: Die Luft wird klarer, die Farben intensiver und entlang des Wildflusses kehrt Ruhe ein.
Von seinem hochalpinen Ursprung nahe des Formarinsees bis zum Lechfall in Füssen zeigt die 125 Kilometer lange Weitwanderstrecke zum Saisonabschluss fünf unterschiedliche Gesichter dieser Jahreszeit. Jedes erzählt dabei einen eigenen Wegmoment.
Lech Zürs am Arlberg: Wandel am Ursprung
Nahe des Formarinsees beginnt die Reise des Lechs – und mit ihr der Lechweg. Auf 1.793 Metern hält die goldene Jahreszeit früher Einzug als in den tieferen Lagen. Kühle Luft, karger werdende Bergflanken und die Weite des Lechquellgebiets prägen diesen Ort.
Wer ganz oben startet, erlebt den Herbst dort, wo er zuerst spürbar wird: am Ursprung des Lechs.
Warth-Schröcken: Walserkultur und alpine Weite
Rund um Warth verbindet sich die Umgebung des Lechwegs mit der Geschichte der Walser. Alte Siedlungen und Wege berichten von Menschen, die diesen alpinen Lebensraum über Generationen geformt haben. In den kühleren Monaten liegt unterhalb der Berge nicht selten eine Nebeldecke, während der höher gelegene Lechweg freie Sicht auf die Gipfel eröffnet. Ein Wegabschnitt, der Herbstlandschaft mit Walserkultur kombiniert.
Tiroler Lechtal: Mehr Raum für den Lech
Im Tiroler Lechtal entfaltet sich einer der letzten Wildflüsse Europas. Breite Kiesbänke, Seitenarme und Auen begleiten seinen Lauf durch die Naturparkregion. Im Herbst bilden die goldenen Farbtöne am Ufer einen Kontrast zum türkisgrün schimmernden Wasser.
Wer im Lechtal unterwegs ist, erlebt den Wildfluss nicht als Kulisse, sondern als ständigen Begleiter – mal kraftvoll, mal ganz leise.
Naturparkregion Reutte: Zwischen Auen und Geschichte
In der Naturparkregion Reutte liegen Landschaft und Kultur nah beieinander. Die Pflacher Au zeigt den Lech im Herbst noch einmal von seiner stillen Seite: Wasserflächen und weitläufige Uferbereiche prägen das Gebiet.
Wenige Kilometer weiter führt der Weg zur Burgenwelt Ehrenberg, deren Mauern von der bewegten Geschichte der Region erzählen. So verbindet dieser Abschnitt Naturraum mit historischen Schauplätzen.
Füssen: Ankommen am Lechfall
Wenn sich der Lechweg seinem Ende nähert, verändert sich die Umgebung noch einmal: Die Berge gehen allmählich ins Voralpenland über. Vom Kalvarienberg öffnet sich der Blick über Füssen und die umliegende Seenlandschaft, eingerahmt von bunt gefärbten Wäldern.
Schließlich erreicht die Strecke den Lechfall – den Endpunkt des Fernwanderwegs und nach 125 Kilometern ein passender Ort zum Revue passieren lassen, was den Weg entlang des Wildflusses so besonders macht.


Sofern es die Wetterlage zulässt, ist der Lechweg von Österreich nach Deutschland noch bis Mitte Oktober 2026 begehbar. © Verein Lechweg/Fabian Heinz



