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das neunte jahrzehnt

Zum 90. gleich zweimal: Maria Lassing im Wiener Mumok und Kölner Museum Ludwig

Je älter sie wird, desto stärker werden ihre Bilder. Maria Lassings Kunst entwickelt sich eigensinnig und kühn weiter, wiederholt sich nie. Zu ihrem 90. Geburtstag widmen sich gleich zwei Museen der österreichischen Künstlerin: Das Wiener Museum Moderner Kunst (MUMOK) und das Kölner Museum Ludwig.

 

Im Mumok: "Maria Lassing. Das neunte Jahrzehnt"

Die rund 60 Gemälde der Ausstellung belegen die Vielfalt Lassings von Farbintensität, Vitalität und ungebrochener Erfindungskraft geprägten Spätwerks. Maria Lassnigs radikale Selbstbefragung bedient sich einer oft an Sarkasmus grenzenden Ironie. Unter den Exponaten finden sich neue großformatige Bilder, die im MUMOK zum ersten Mal öffentlich ausgestellt werden.

In den letzten Jahren ist Lassnig endgültig der internationale Durchbruch gelungen. Für nachfolgende Generationen gilt die Künstlerin als Vorreiterin und Visionärin, die den Diskurs und die Entwicklung der Malerei seit Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt hat. Im Zentrum ihres Schaffens steht seit sechzig Jahren die Künstlerin selbst bzw. das, was sie ihre "Körperempfindung" nennt: "Es ist sicher, ich male und zeichne nicht den 'Gegenstand' Körper, sondern ich male Empfindungen vom Körper." Dabei zeigt ihre Malerei einerseits die kompromisslose Offenlegung des eigenen Körpers und der eigenen Befindlichkeit. Zum Anderen vermittelt sie den Blick von Außen und ermöglicht damit die scheinbar objektive Darstellung gleichzeitig existierender Körperwahrnehmungen.

Maria Lassnig, die sich gern mit der Aura der Einzelgängerin umgibt und von sich selbst sagt: "Ich wäre gern böser", hat es wie wenig andere Künstler verstanden, sich in verändernden gesellschaftlichen Kontexten immer wieder aufs Neue zu bewähren. Jede Stilrichtung ihres Gesamtwerks besaß nur solange Gültigkeit, als sie der Visualisierung neuer Erfahrungen nicht im Wege stand. Die Ausstellung wirft einen fokussierten Blick auf "Das neunte Jahrzehnt" von Maria Lassnigs Schaffen: Eine große Rolle spielt dabei die Erinnerung, die Verknüpfungen von Menschlichem und Animalischem sowie das Verhältnis der Geschlechter, das sie als zärtlich-erotische wie auch als aggressiv-feindselige Beziehungen thematisiert. Die Ausstellung im MUMOK dauert bis zum 17. Mai.

 

Museum Ludwig "Maria Lassnig. Im Möglichkeitsspiegel"

Das Museum Ludwig in Köln vom 14. März bis zum 14. Juni konzentriert sich eher auf das private Schaffen von Maria Lassing. Die Retrospektive setzt bei den surrealistischen Zeichnungen der späten 40er Jahre ein und verfolgt das zeichnerische Werk von den "Körpergefühlszeichnungen" über die New Yorker Trickfilme bis hin zu den eher malerischen Formen im Aquarell in den 70er und 80er Jahren. Der Schwerpunkt aber liegt auf ganz aktuellen Arbeiten, in denen Lassnig auf irritierende Weise schlichte Bleistiftzeichnungen mit grellen, oft schreiend bunten Hintergründen kombiniert. Bei den meisten dieser Zeichnungen handelt es sich um Selbstporträts. Maria Lassnig befragt in ihnen ihr Körpergefühl, die physischen Bedingungen ihrer Existenz. Papier dient dieser Künstlerin als Korrektiv, als Spiegel ihrer selbst, heute wie vor 60 Jahren.

 

Über die Künstlerin

Maria Lassnig wird 1919 in Kappel am Krappfeld, Kärnten, geboren. 1941 tritt Lassnig in die Meisterklasse Wilhelm Dachauer an der Wiener Akademie der bildenden Künste ein, die sie bereits 1943 wieder verlassen muss, da dieser ihre Werke als "entartet" einstuft. Sie führt ihr Studium bei Ferdinand Andri und Herbert Boeckl fort. In den 1950er und 1960er Jahren verbringt sie mehrere Jahre in Paris und kommt in Kontakt mit dem Surrealismus und zeitgenössischen Kunstströmungen, wie der amerikanischen und französischen informellen Malerei; es entstehen erste Körperbewusstseinsaquarelle. Von 1968 bis 1980 lebt Maria Lassnig in New York, wo sie einen Zeichentrick-Kurs an der School of Visual Arts besucht und erste eigene Zeichentrickfilme realisiert. 1980 kehrt Lassnig nach Österreich zurück und erhält als erste Frau im deutschen Sprachraum eine Professur für Malerei an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Ihre Arbeit erfährt große internationale Aufmerksamkeit, als sie im gleichen Jahr gemeinsam mit Valie Export Österreich auf der "39. Biennale" in Venedig vertritt und an der documenta 7 (1982) teilnimmt. Für ihr Lebenswerk wurde die Künstlerin mehrfach geehrt und ausgezeichnet: u. a. mit dem Großen Österreichischen Staatspreis (1988 als erste bildende Künstlerin), dem Oskar Kokoschka-Preis (1998) und dem Max Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt am Main (2004).

(MUMOK/red)