Konzert mit dem Preisträger des Usedomer Musikfestivals, unterstützt von der Oscar und Vera Ritter-Stiftung
Im Jubiläumsjahr der Wiedervereinigung wird die Kinderoper „Die Nachtigall“ von Burkhard Meier, nach einem Libretto von Hella Brock zum ersten Mal nach 40 Jahren am Mittwoch, 7. Oktober um 15 Uhr im Kulturhof Mölschow aufgeführt. Der Erfolg der Uraufführung am 10. Februar 1969 in Greifswald währte nicht lange. Kurz danach beschlossen die Universitätsleitung und die örtliche Führung der SED, dieses Stück zur Aufführung zu verbieten.
Das dem Libretto zugrunde liegende Märchen von Hans Christian Andersen zeigt einen durch Musik lernfähigen Kaiser – einer revolutionären Auseinandersetzung gehe dies aus dem Wege und die Arbeiterklasse stehe nicht im Mittelpunkt des Stückes. So lautete die Begründung der SED.
Für Librettistin Hella Brock bedeutete dieses Verbot zudem ein zweijähriges Lehrverbot an der Greifswalder Universität, an der sie seit 1958 beschäftigt war und das Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik aufbaute und leitete. Sie verließ 1972 Greifswald und fasste an der Universität Leipzig Fuß als Dozentin und Wissenschaftlerin.
Besonders durch ihre Forschungen zu Edvard Grieg machte sie sich einen international anerkannten Namen. Mit der Schuloper des 20. Jahrhunderts beschäftigte sie sich nach ihrem Studium in Halle intensiv und verfasste auch ihrer Dissertation über dieses Thema. Hella Brock führte Kinderopern von Kurt Schwaen auf und tauschte sich darüber mit Bertolt Brecht aus.
Burkhard Meier wurde 1943 in Finow bei Berlin geboren und studierte bei Hella Brock an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald bevor er ab 1967 selbst dort lehrte. Bis 1996 leitete er das Institut für Musikwissenschaften an der Universität und wurde als Lehrer und Klavierimprovisator geschätzt.
Nach 40 Jahren erlebt „Die Nachtigall“ beim Usedomer Musikfestival ihre Wiederaufführung mit dem Domkinderchor Greifswald, dem Kinderchor Anklam und einem Instrumentalensemble, bestehend aus Klavier, Flöte und Schlagzeug. Die Leitung hat der derzeitige Direktor des Instituts für Musikwissenschaft und Kirchenmusik, Jochen Modeß.
Regie führt Vera Valtin. Die Musikalische Einstudierung übernahmen Jochen A. Modeß, Katharina Kühne-Schnittler und Margret Friedrich. Dieses Projekt wird kofinanziert aus Mitteln des EU-Programmes „Kultur“ der Europäischen Union. Es ist ein Beitrag im Rahmen des Gesamtprojektes Differenzart – art with a difference: A new approach to Social Theater (Integratives Soziales Theater).
Die Zielsetzung des EU-Projektes ist die Förderung trans-nationaler Mobilität von Beschäftigten im kulturellen Sektor sowie Förderung der Verbreitung trans-nationaler, künstlerischer und kultureller Arbeiten zur Schaffung von kulturellen Netzwerken und Steigerung innovativer und kreativer Qualität. Zudem soll es das künstlerische Bewusstsein stärken.
Das schon zur Tradition gewordene Sinfoniekonzert auf dem polnischen Teil der Insel Usedom, in Swinoujscie, ist am Dienstag, 6. Oktober, um 19:30 Uhr im Theatersaal des Kulturhauses zu erleben. Florian Uhlig interpretiert Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37, welches Prinz Louis Ferdinand von Preußen gewidmet ist. Der Pianist Florian Uhlig erhält am Abend den Preis des Usedomer Musikfestivals 2009, unterstützt von der Oscar und Vera Ritter-Stiftung.
Florian Uhlig konzertierte bereits auf den berühmten Konzertpodien u. a. mit dem BBC Symphony Orchestra, der Dresdner Philharmonie, den Münchner Symphonikern und dem Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks. Der in Düsseldorf geborene Pianist gewann zahlreiche internationale Preise, wie den Europäischen Kulturpreis der Fondation Européenne de la Culture, den Stephen-Arlen-Gedächtnis-Preis der English National Opera und die Queen Elizabeth Rose Bowl.
Für hervorragende Leistungen auf kulturellem Gebiet wurde er dreimal in Folge mit dem Kritikerpreis der Münchner Tageszeitung tz ausgezeichnet. Seit 2008 leitet er das International Mozart Festival in Johannesburg (Südafrika).
Begleitet wird Florian Uhlig am Dienstagabend von der Kammerphilharmonie Sopot unter der Leitung von Wojciech Rajski. Auf dem Programm stehen neben Beethoven, die 5. Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy, auch Reformationssinfonie genannt, sowie die selten zu hörende Ouvertüre zum Schauspiel Das Kreuz an der Ostsee von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann. Das Drama von Zacharias Werner handelt von der Christianisierung des slawischen Stammes der Pruzzen durch die Ritter des Deutschen Ordens, was nach ausdrücklichem Wunsch des polnischen Herzogs Konrad von Masowien geschah.
Karten und Informationen zum Usedomer Musikfestival sind unter Tel.: 038378.34647 sowie auf den Internetseiten: www.usedomer-musikfestival.de, www.usedom.de, www.ticketonline.com und außerdem bei zahlreichen Ticketonline-Vorverkaufsstellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, zu erhalten.
Franziska Franke
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