Woldemar Winkler (Mügeln bei Dresden 1902-2004 Gütersloh) zählt zu den bedeutendsten Vertretern surrealistischer Kunst in Deutschland. Seine ersten künstlerischen Schritte machte er in den 1920er Jahren in einem avantgardistischen Umfeld, geprägt von den Künstlern der Brücke und der Dresdner Sezession 1919.
Woldemar Winkler erlebte ab 1921 während seines Studiums an der Kunstgewerbeschule in Dresden einen erneuten Aufbruch der künstlerischen Jugend im Zeichen des Expressionismus und traf auf Künstler wie Otto Dix und Oskar Kokoschka.
Allerdings entwickelte Winkler aus dieser Auseinandersetzung einen ganz eigenen, persönlichen Stil. Ironisch, spielerisch und verstörend zugleich erforschte er in seiner Arbeit, noch vor den französischen Surrealisten, die andere Seite der menschlichen Existenz.
Mit der Verwendung aufgefundener Materialien, sogenannter „objets trouvés“, entwickelte Winkler eine Bildsprache, in deren Mittelpunkt gegen alle Rationalität der Zufall, der Traum, das Magische und das Unbewusste standen.
Dabei trat er immer wieder auch in einen künstlerischen Dialog mit Zeitgenossen wie Max Ernst, Salvador Dalí, Paul Klee, Jean Dubuffet, Kurt Schwitters und auch Pablo Picasso.
1949 – Winklers Atelier in Dresden wurde 1945 zerstört– ließ er sich nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft mit seiner Frau, der Handwebmeisterin Marianne Horstkotte, im ostwestfälischen Gütersloh nieder, wo er nach einem reichen Künstlerleben, das über acht Jahrzehnte künstlerischen Schaffens umspannt, im Alter von 102 Jahren starb.
Die Ausstellung mit rund 100 Gemälden, Plastiken, Zeichnungen und Collagen des Künstlers entstand in Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie Am Abdinghof Paderborn und der Woldemar Winkler-Stiftung der Sparkasse Gütersloh. Kuratorin in Albstadt: Dr. Veronika Mertens.
Im 2. OG der Galerie ist in einem chronologischen Rundgang die Entwicklung des vielseitigen Künstlers von den Anfängen in den 1920er Jahren bis hin zum Spätwerk nachzuvollziehen. Das 3. OG gilt der phantastisch skurrilen Bildwelt der Plastiken, Collagen und Assemblagen Winklers.
Parallel stellt die Galerie Albstadt Paul Bedra (Berlin 1912 – 1997 Düsseldorf), Maler, Graphiker und Holzbildhauer, vor. Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beendete er sein Studium an der Kunsthochschule Berlin bei Bernhard Hasler, Mitglied der avantgardistischen Novembergruppe. Sein Bruder Hannes Beckmann vermittelte ihm den Kontakt zum Bauhaus.
1962 wandte er sich, zunehmend abstrahierend, immer mehr der Grafik zu. Die „reine Gestaltung“ wurde zum höchsten Ziel. In einem beständigen Experimentieren mit Material und Oberfläche bearbeitete Bedra seine Radierplatten mit Hammer, Beitel und Feile, untersuchte die Wirkung verschiedener Beschichtungen und setzte organische Stoffe, wie Haare, Pflanzen, Gewebe und Federn ein.
Über die Sammlung Gerhard und Brigitte Hartmann kam 2007 ein Konvolut von über 150 Papierarbeiten, gestiftet von Elisabeth Beckmann, der Witwe des Künstlers, in den Besitz der Galerie Albstadt. Erstmals wird nun eine auf Paul Bedras Radierwerk konzentrierte Auswahl präsentiert, wobei ein besonderes Augenmerk seinen Farbradierungen gilt.
Die Kabinett-Ausstellung „Auf der Suche nach der goldenen Harfe“ beschreibt die ganz individuelle Reise eines Künstlers, der im künstlerischen Dialog mit Wassily Kandinsky und Fernand Léger arbeitete und sich darüber hinaus von der Formensprache fernöstlicher Kalligraphie inspirieren ließ.
Am Ende der Reise stehen faszinierende Ergebnisse, die – lässt man den Assoziationen freien Lauf - neue Wahrnehmungsräume erschließen.
Kuratorin: Jeannette Brabenetz, M.A.
27. Juni bis 19. September 2010
Katalog:
‚Woldemar Winkler - Kostenlose Wunder, Hrsg. Woldemar Winkler-Stiftung der Sparkasse Gütersloh, Paderborn 2008 (€ 12,-)
Film zu Woldemar Winkler in der Ausstellung (auf Anfrage):
„Künstler sind gefährlich: Woldemar Winkler – Surrealist der ersten Generation“. Regie: Marion Rasche, Dresden 2004 (58 Min.)
Sonderveranstaltungen
Sonntag, 27. Juni 2010, 11 Uhr
Ausstellungseröffnung
Begrüßung: Dr. Jürgen Gneveckow, Oberbürgermeister der Stadt Albstadt und Dr. Marina Sauer, Direktorin der Galerie Albstadt
Einführung in das Werk Woldemar Winklers: Dr. Dr. Adolf Smitmans
Samstag, 10. Juli 2010, 11 – 16 Uhr
Druck-Workshop „Radierung“ mit Brigitte Wagner im Forum der Galerie Albstadt in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Albstadt e.V. - Kursgebühr: € 20,- (zusätzlich Materialkosten nach Verbrauch). Anmeldung: 07431 / 13435-0; Ermäßigung für Jugendliche und Studenten auf Anfrage in der Galerie 07431 / 160-1491
Mittwoch, 21. Juli 2010, 19 Uhr
Märchenbilder. Romantische Impressionen für Flöte, Klarinette und Klavier mit dem Louise Ferrenc-Trio, Albstadt
Sonntag, 19. September 2010, 14.30 Uhr
Finissageführung und Ausstellungsgespräch
mit Christoph Winkler, dem Sohn des Künstlers, und Dr. Veronika Mertens, Ausstellungskuratorin
Sonntag, 4. und 25. Juli, 8. und 22. August, 45. und 19. September 2010, 14.30 Uhr
Öffentliche Sonntagsführung durch die Ausstellungen (Jeannette Brabenetz, M.A. / Dr. Veronika Mertens)
Die Kunstvermittlung der Ausstellung wird unterstützt durch den Galerieverein Albstadt - Freunde der Galerie Albstadt e.V.
Museumsverwaltung
Gartenstraße 43
72458 Albstadt-Ebingen
Galerie Albstadt, Städtische Kunstsammlungen
Kirchengraben 11
72458 Albstadt-Ebingen
Tel.: 07431-160-1491
Fax: 07431-160-1497
galerie@albstadt.de
Öffnungszeiten: Di – Fr 11-13 und 14-17 Uhr, Sa, So, Fei 11-17 Uhr (zurzeit Ausstellungsumbau, ab 27. Juni Woldemar Winkler – Kostenlose Wunder und Paul Bedra – Auf der Suche nach der goldenen Harfe“)
Foto: © Nachlass des Künstlers (Christoph Winkler und Friederike Winkler-Mey)

