„Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen”, wusste schon Fontane. Doch liebt man seine Heimat wirklich erst dann, wenn sie einem fehlt? Kann man, muss man in Zeiten der Globalisierung nicht mehr als eine Heimat haben? Oder ist der Begriff ’Heimat’ in einer Gesellschaft, in der „Ortsungebundenheit” zu den am häufigsten formulierten Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt gehört, längst obsolet geworden?
Der rasante strukturelle Wandel des Ruhrgebietes in den vergangenen 150 Jahren hat auch die Bedeutung des Wortes ’Heimat’ grundlegend verändert: Wo ist meine Heimat? Wo fühle ich mich zuhause? Da, wo ich geboren bin? Da, wo ich aufgewachsen bin? Da, wo ich arbeite? Da, wo ich lebe? Da, wo die Menschen leben, die ich liebe?
Unter Verwendung von Liedern aus Franz Schuberts tragischem Liederzyklus “Winterreise” spürt Regisseurin Bernarda Horres dem dort formulierten Gefühl der Fremdheit und zugleich der Sehnsucht nach Heimat nach. Der einsam durch die endlose Schneewüste irrende Wanderer wird zum Sinnbild für Entwurzelung, für den Verlust individueller Orientierungspunkte. Gemeinsam mit dem Musiker Stephan Kanyar, Mitgliedern des Schauspielensembles und Essener Bürgern unterschiedlicher Nationalitäten macht sich Bernarda Horres auf die Suche nach Geschichten von Menschen, denen Essen zur Heimat geworden ist – oder noch werden könnte.
Inszenierung: Bernarda Horres, Musikalische Leitung: Stephan Kanyar,
Bühne: Anja Jungheinrich, Kostüme: Stephanie Geiger, Dramaturgie: Vera Ring
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