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nach Henrik Ibsen

Wildente 2.0: auf die Suche nach unseren Dachböden und Lebenslügen - Inszenierung von Mark Zurmühle am 18.9.2010 in Göttingen

Hjalmar Ekdal lebt ein angenehmes Leben. Seine Frau nimmt ihm sowohl die Arbeit als auch die Alltagssorgen ab, seine Tochter ist geradezu von vorbildlicher Vaterliebe erfüllt, und wenn er nicht gerade über seiner „Erfindung“ brütet, dann geht er zum Jagen. Dazu muss er nicht einmal das Haus verlassen.

Auf dem Dachboden haben er und sein Vater sich ein künstliches Jagdrevier aus vertrockneten Weihnachtsbäumen, Hühnern und Kaninchen geschaffen. Und mitten drin vegetiert eine flügellahme Wildente. Es ist eine Phantasiewelt, in der Hjalmar lebt, eine Lebenslüge, die ihn umgibt, aber aus Unwissenheit glücklich macht. Tatsächlich sieht die Welt ganz anders aus. Seine Tochter ist nicht von ihm, sondern vom alten Werle, einem Großkapitalisten, der einst sein Dienstmädchen Gina schwängerte und sie mit Hjalmar verheiraten ließ. Werle ist es auch, der das Leben der Ekdals alimentiert, so dass diese halbwegs über die Runden kommen.

Auch seine Idee einer großen „Erfindung“ wird nie über das Stadium eines Phantasmas hinauskommen. Der Glaube daran ist ihm jedoch Lebensantrieb genug. So könnte es noch lange bleiben, hätte sich nicht der Sohn Werles, Gregers, in den Kopf gesetzt, die Ekdals um jeden Preis mit der „Wahrheit“ zu konfrontieren.

In seiner Inszenierung von Henrik Ibsens 1884 entstandenem Stück begibt sich Mark Zurmühle auf die Suche nach unseren Dachböden und Lebenslügen. Sind es heute nicht vor allem die modernen Medien, die uns einerseits in Traumwelten entführen, wie sie unsere Wahrnehmung von Welt zugleich manipulieren? Wer hat nicht schon einmal auf Bildschirmen Moorhühner gejagt, um der Tristesse des Arbeitsalltags zu entfliehen? Gaukeln uns soziale Netzwerke wie Facebook oder studiVZ nicht ein soziales Leben vor, das der Wirklichkeit nur selten entspricht, bzw. ganz im Gegenteil, die Gefahr der Vereinzelung noch weiter fördern?

Sehen wir nicht täglich Dutzende Menschen im Fernsehen, die im Glauben an den schnellen Erfolg sich unwissentlich öffentlich der Selbsterniedrigung preisgeben und dabei nur das Schmiermittel einer zynischen Vermarktungsindustrie sind? Selten war Ibsens Schauspiel um das Verhältnis von Schein und Sein wohl so aktuell wie heute.

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