Die Adaption des italienischen Kinoklassikers „LA DOLCE VITA!“ für das Neue Schauspielhaus, genau 50 Jahre nach seiner Filmpremiere, bringt die Geschichte des kleinbürgerlichen Mannes aus der Provinz, Marcello Rubini, der in Rom als Journalist für Gazetten sein Glück versucht, auf die Bühne. Fellinis Meisterwerk verfolgt den Sensationsreporter selbst auf seiner Jagd nach immer neuen Geschichten einer Schickeria aus echter Prominenz und Möchtegern-Stars und schrieb so skandalöse Film-Geschichte.
Vernachlässigt Marcello den eigentlichen Traum, ein Buch zu schreiben, um am exzentrischen Leben einer nur am Konsum orientierten „besseren Gesellschaft“ teilzuhaben, ist diese nur damit beschäftigt, sich vom einem kurzen hedonistischen Impuls zum anderen treiben zu lassen: Kurzlebige Affären, mondäne Partys, affektiertes Gerede, Arroganz und Attraktivität. Der Medienrummel um sich selbst hält sie am Leben und davon ab, darüber nachzudenken.
Dieser personifizierte Hype, der Mephistopheles des künstlich, modisch zeitgemäßen Establishments begeistert Marcello. Erst als er seinem alten Freund Steiner wieder begegnet, erkennt er das Blendwerk, spürt den Widerspruch, erkennt, dass man in dieser Welt des Scheins nicht leben kann. Aber welche erstrebenswerte Alternative bietet die Realität?
In der Spielzeit 2009/2010 ist Italien eines der beiden Länder mit denen sich das Theater Bremen schwerpunktmäßig auseinandersetzt.
Regisseurin Mirja Biel absolvierte eine Ausbildung zur Theatermalerin, bevor sie an der Theaterakademie Hamburg Regie studierte. Sie inszenierte in Hamburg u. a. am Thalia Theater und auf Kampnagel. Am Theater Bremen inszenierte sie in der Spielzeit 2007/2008 „Bremer Freiheit. Die Verschwörung der Frauen“ und in der Spielzeit 2008/2009 „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ von Rainer Werner Fassbinder.
17. | 19. | 26. September 2010
02. | 09. | 23. Oktober 2010
Inszenierung Mirja Biel
Co-Regie/ Musik/ Video Joerg Zboralski
Kostüme Stefanie Krapka
Bühnenbild Monika Gora
Marcello Glenn Goltz
Recording Angel Christoph Rinke
Emma/ u.a. Susanne Schrader
Maddalena/ u.a. Irene Kleinschmidt
Steiner/ u.a. Guido Gallmann
Vater/ u.a. Martin Baum
Giúsi/ u.a. Johanna Geißler
Paparazza/ u.a. Franziska Schubert
Dolores/ u.a. Gabriele Möller-Lukasz
TheaterBremen
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Pressekontakt: Caroline Schwamm
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Pressestimmen
Regisseurin Mirja Biel hat aus der opulenten Filmvorlage mit etwa 400 Darstellern ein Kammerspiel mit neun Schauspielern gemacht. Das Publikum feierte die Mischung aus nostalgischen Filmzitaten und modernen Bildideen. (…)
Biels Stärke ist es, dass sie gar nicht erst versucht, das Original zu überbieten oder gar in die Gegenwart zu transportieren. Stattdessen werden Dialoge, Mode und Musik von damals zitiert und ironisch verändert. Für die Andeutung der Trevi-Szene genügen Dusche und Blondhaarperücke, für die Helikopter-Nummer eine Soundcollage, in deren Rhythmus der Reporter wie ein Getriebener im Kreis läuft.
Dpa
„Das süße Leben“, das zeigt die zweistündige Inszenierung, ist auch 2010 noch unterhaltsam. Bühnenbilder so eindringlich wie Gemälde machen die eigene Handschrift dieser Filmadaption aus. Dem zwischen Sinnsuche und Sensation zerrissenen Klatschreporter (Glenn Goltz) wird eine Kunstfigur (Christoph Rinke) gegenüber gestellt, die vieles ist: Mephisto, Popikone Andy Warhol, Modepapst Klaus (sic!) Lagerfeld, Sänger Adriano Celentano und zum Schluss sogar die Ekberg – eine Regieidee, die besonders überzeugt hat.
Dpa
Eine staunenswerte Produktion – die überraschendste, intelligenteste, stimmigste der bisherigen Spielzeit. Denn was an der Inszenierung vom ersten Moment an überzeugt, ist ihre künstlerische Geschlossenheit. Das „Drehbuch“, für das neben Mirja Biel auch Joerg Zboralski verantwortlich ist (sowie Fellini natürlich), passt auf die von Monika Gora gebaute Bühne und zu den von Stefanie Krapka entworfenen Kostümen. (…)
Goltz’ Marcello hat seinen liebenswürdigsten, poetischsten Auftritt, wenn er zusammen mit seiner Paparazza (Franziska Schubert) nicht auf Godot, sondern auf eine gewisse Anita wartet.
Rainer Mammen, WESER-KURIER
Regisseurin Mirja Biel präsentierte eine (…) Mischung aus Drama, Live-Videotagebuch und Gesellschaftskritik. High Society, die Medien und die Oberflächlichkeit bekommen ihr Fett weg. Das Stück versucht erst gar nicht, die große Filmvorlage zu kopieren. Es beleuchtet Facetten von Oberflächlichkeit, ohne jedoch an der Oberfläche zu kratzen.
Corinna Laubach, Bild
Vor allem der mysteriöse Recording Angel (glänzend gespielt von Christoph Rinke) überrascht das Publikum mit seiner Wandlungsfähigkeit. Mal als Andy Warhol, Karl Lagerfeld, Rockstar und am Ende sogar als Anita Ekberg. Auch die anderen Darsteller überzeugen (…) in ihren zwiespältigen Persönlichkeiten als zerbrechliche Diven. (…)
Mirja Biels Inszenierung bringt das schizophrene, rastlose und vollkommen unbefriedigende Leben im Licht der Öffentlichkeit auf surreale Weise zu Ausdruck.
Annica Müllenberg, Weser Report
Christoph Rinke schlüpft in seidenes Nachtgewand und blonde Perücke und aalt sich auf der Bühne unter der Dusche. Marcello, von allen Fesseln befreit, stellt sich nackt zu diesem Anita-Ersatz und geht im Pas de Deux auf. Diese Schlusssequenz ist eines der stärksten Bilder, die Mirja Biel und Co-Regisseur Joerg Zboralski (auch Musik und Videoeinspielungen) in dem zweistündigen Stück schaffen. (…)
Mit der Erfindung des Recording Angel spielt Mirja Biel mit dem großen Original und setzt Marcello eine vielschichtige Spielfigur entgegen, die Mal Mephisto, mal Modezar Lagerfeld, mal Sänger Celentano ist. Der wirkungsvollste und spannendste Schachzug dieser Inszenierung. (…) Das Premierepublikum zeigte sich (…) angetan. Viel Applaus.
Corinna Laubach, Kreiszeitung
Biels „La Dolce Vita“ bedient sich vieler Sequenzen der opulenten Vorlag. Sie hantiert überzeugend mit einigen gelungenen Bildern und versucht wohlweißlich erst gar nicht, die große Vorlage zu kopieren. (…) die Theaterfassung [ist] eine (…) Mischung aus Drama, Live-Videotagebuch und Gesellschaftskritik, in der die High Society, die Medien und die Oberflächlichkeit ihr Fett weg bekommen (…).
Corinna Laubach, Kreiszeitung

