„Wir hätten nie gedacht, dass aus unserem kleinen Streik etwas so Großes werden würde!“ erzählt die heute 74-jährige Sheila Douglass aus Dagenham.
Sie und Vera Simes gehören zu den 187 Näherinnen, die mit ihrer Forderung „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ die Ford-Werke in Dagenham bestreikten und damit den Weg für den britischen Gleichberechtigungs-Akt von 1970 ebneten.
Es war der erste Frauenstreik auf englischem Boden. Kaum zu glauben: 26.000 Streiks in zwölf Monaten sah das Land damals! Doch nie zuvor hatten Frauen ihre Arbeit niedergelegt.
1968 arbeiteten 55.000 Männer in den Ford-Werken und bauten jedes Jahr eine halbe Million Autos. Die 187 Arbeiterinnen nähten die Autositze zusammen. Kurz vorher hatte man sie auf den Status von ‚Ungelernten‘ zurückgestuft. Dabei waren sie sogar besser ausgebildet als viele der Männer.
Der Streik weitete sich immer mehr aus und da keine Autositze mehr gefertigt wurden, konnte Ford auch keine Autos mehr ausliefern. Die komplette Fabrik wurde in die Knie gezwungen. Tausende Männer wurden zeitweilig arbeitslos und das Ganze entwickelte sich zu einer bedeutenden nationalen Krise.
Wenn man weiß, wie die Geschichte ausging, fällt es nicht schwer, den Stellenwert des Streiks einzuordnen. Am Ende verbesserte er nicht nur die Arbeitsbedingungen in der Fabrik, sondern die Stellung der Frauen im ganzen Land.
„Es kam zu dem Punkt, an dem mit Barbara Castle eine der bedeutendsten Politiker der Zeit in die Sache involviert wurde“, erklärt Regisseur Nigel Cole. „Sie führte eine Einigung mit den Frauen herbei.
So fanden sich diese ganz gewöhnlichen Frauen, die nie zuvor politisch aktiv gewesen waren, plötzlich im Parlament wieder, verhandelten mit einer führenden Politikerin und setzen eine Revolutionierung der Frauenrechte in Gang.“
Vera Sime, 80, aus Rainham, damals junge Mutter dreier Kinder: „Ich war eine einfache arbeitende Frau. Wir haben das nie erwartet! Es ist so wundervoll, wenn man bedenkt, dass man sich dank dieses Films immer an uns erinnern wird.“ Auch Sheila Douglass zeigt sich begeistert:
„Der Film ist tief berührend und gleichzeitig sehr witzig. Genauso war es auch, als wir dort gearbeitet haben.“ Aber unabhängig von ihren Errungenschaften damals, betont sie:
„Es ist auch weiterhin ein Problem. Viele Frauen kämpfen noch immer für ihre Rechte.“ Auch heute noch gibt es unterschiedliche Bezahlung von Mann und Frau. Es sieht so aus, als ginge der Kampf weiter...
WE WANT SEX startet am 13. Januar in den deutschen Kinos.
Claudius Andersen
TOBIS FILM GmbH & Co. KG

