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Wer traut sich was? Theaterstück zum Nahostkonflikt vom 6. bis 21.2.2009 im Royal Court Theater in London

Ab 6. Februar wird am Royal Court Theater ein neues Theaterstück von Caryl Churchill aufgeführt. Die Besonderheit daran: Das Stück geht nur 10 min und handelt vom aktuellen Konflikt zwischen Israel und Palästiner. Churchill meint, Israel hat viele schreckliche Dinge getan, aber was nun in Gaza geschehen sei, erscheine ihr "besonders extrem":

Vielleicht meinte Sie auch folgende Bilder aus dem Gaza-Krieg vom letzten Monat. Es wurde das Bild eines weinenden Dr. Abu El-Aish gezeigt, eines palästinensischen Gynäkologen, der in einem israelischen Krankenhaus arbeitet. Nachdem sein Haus von Israelis bombadiert und 3 seiner 8 Kinder getötet wurden, weinte er hemmungslos vor dem Krankenhaus, in dem eine seiner Töchter um ihr Leben kämpfte. In diesem Moment kam die Israelin Levana Stern auf ihn zu und beschimpfte ihn: "Sie sollten sich schämen, wie sollten wir wissen, was Sie in Ihrem Haus verstecken?"

Regie führt Dominic Cookes, der Leiter des Londoner Royal Court Theaters. Und noch eine Besonderheit: Die Karten für das Stück werden gratis sein!!! Da bleibt doch nur: "Ehre, wem Ehre gebürt".

Wer ist die Ausnahme-Künstlerin Churchill?

Die 70-jährige Churchill gilt als eine der bedeutendsten lebenden englischen Dramatikerin. Sie schreibt schon seit 20 Jahren Radio- und Fernsehstücke, als ihr 1979 mit Cloud Nine (deutsch: Siebter Himmel) der Durchbruch im Theater gelingt. Das Stück - über koloniale und sexuelle Unterdrückung und den Zusammenhang zwischen beiden - wird vom Publikum begeistert aufgenommen und von den Kritikern bemäkelt. In den USA avanciert Churchill zur gefeierten Dramatikerin; in London tut man sich zunächst etwas schwer mit ihr.

Churchill wächst im Lake District auf, später emigriert die Familie nach Kanada. Sie kehrt nach England zurück, um in Oxford an der Lady Margaret Hall, dem ersten College, das Frauen zum Studium zuließ, Englisch zu studieren, schreibt gleichzeitig Stücke für studentische Theatergruppen und gewinnt 1958 ihren ersten Preis. Seit 1961 ist sie mit einem Rechtsanwalt verheiratet und hat mit ihm drei Söhne.

Cloud Nine entsteht, wie andere Stücke, in Zusammenarbeit mit der Theatergruppe „Joint Stock“. Der Text entwickelt sich innerhalb eines Workshops, in dem sich die Teilnehmerinnen (u. a. auch die Hausmeisterin des Probenraumes) über ihre sexuellen Erfahrungen austauschen. Churchill schreibt das Stück während der Proben und sogar noch während der ersten Vorstellungen mehrfach um. Durch diese Nähe und Direktheit sind ihre Charaktere vielschichtig und faszinierend. Sie beschäftigt sich mit historischen Themen und vermischt sie mit Aktuellem, wobei ihre Stücke aus vielen losen Szenen zu bestehen scheinen. Durch diese unkonventionelle Dramaturgie wirken die von ihr verarbeiteten politischen und sozialen Themen authentisch. Sie bringt Wünsche und Sehnsüchte auf die Bühne, besonders von solchen Menschen, die nicht in der Lage sind, sich ihre Sehnsüchte zu erfüllen, weil sie an sozialen und politischen Strukturen scheitern. Und natürlich sind die meisten davon Frauen.

In Top Girls (ihrem im deutschsprachigen Raum erfolgreichsten Stück), nur weiblich besetzt, feiert die Hauptfigur mit fünf historischen Frauen während eines Abendessens ihre Beförderung zur Direktorin. Es geht um die zwei Seiten des Erfolgs: „Ich wollte ein Stück schreiben über die Schwierigkeiten von Frauen, erfolgreich zu sein und gleichzeitig über die Fragwürdigkeit dieses Erfolges in einer Gesellschaft, in der Leute, die es nicht schaffen, abgeschrieben werden.“

Churchill sieht einen Feminismus, bei dem es darum geht, dass Frauen ebenso viele Führungspositionen besetzen wie Männer, kritisch. Muss sich der Feminismus an männlichen Werten orientieren? Wieso muss man Menschen kategorisieren? “Churchills Stücke sind weiblich im Sinne von anders. Sie sind emotional, ohne sentimental, sensibel, ohne innerlich zu sein; indem Churchill Frauen ganz selbstverständlich als Thema setzt, macht sie klar, dass dieses Thema so selbstverständlich nicht ist.“ (Renate Klett in Theater heute).

2002 schreibt sie ihr Stück A Number über das menschliche Klonen und gewinnt damit den „Evening Standard Award for Best New Play“. A Number wird unter dem Titel Die Kopien 2003 in Deutschland uraufgeführt und vom Deutschlandradio als Hörspiel bearbeitet. Churchill zieht das Thema weg von Kommissionen und Ethik-Räten auf die Ebene eines Familiendramas: Ein junger Mann erfährt bei einer Untersuchung im Krankenhaus, dass er nicht – wie bisher angenommen – der einzige Sohn seines Vaters ist, sondern einer von verschiedenen Klonen. Der Vater war mit seinem Sohn nicht zufrieden. Um ein besseres „Ergebnis“ zu erzielen, ließ er eine Klon-Kopie herstellen. Nun stehen sich Vater und Sohn in einem Generationenkonflikt gegenüber.

In den letzten Jahren wandte Churchill sich dem Bereich Musik und Tanz zu und arbeitete mit MusikerInnen und ChoreographInnen zusammen, z. B. mit der Siobhan Dance Company und mit BBC Proms, dem großen klassischen Musikfestival, das jährlich in der Albert Hall statt findet.

Aufführungsort: Royal Court Theater London: www.royalcourttheatre.com vom 6. bis 21.2.2009

Quelle: www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/caryl-churchill

Siehe auch: www.wikipedia.org/wiki/Caryl_Churchill

Zu diesem Thema: BBC weigert sich, einen Hilfsaufruf für Gaza zu senden:

2000 Demonstranten gingen am Wochenende vor die Zentrale des britischen Rundfunk - und Fernsehsenders in London und demonstrierten mit Transparenten, wo drauf stand, "bigott, feige".

Der Zorn der britischen Politik und Öffentlichkeit hat sich an einer Entscheidung der BBC entzündet, einen Spendenaufruf für die Bewohner des Gaza-Streifens nicht auszustrahlen. Andere britische Sender teilen die Einstellung von BBC nicht: ITV, Channel 4 und Channel 5 wollen den Aufruf unverzüglich senden.

Wir überlassen es Ihnen, verehrte Leser, sich selber hierüber Gedanken zu machen.

Presse:

www.guardian.co.uk/media/2009/jan/26/bbc-gaza-appeal-row-unions-protest

www.mirror.co.uk/news/top-stories/2009/01/25/protests-at-bbc-s-gaza-charity-appeal-snub-mounting-115875-21069656

www.thesun.co.uk/sol/homepage/news/article2170021.ece

www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,603580,00.html

www.bazonline.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Kein-Spendenaufruf-fuer-Gaza--Sky-folgt-BBC/story/26155619

www.szon.de/news/politik/vermischtes/200901250984.html?_from=rss