Gesellschaft Freunde der Künste

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rebellischer Einzelgängern in der deutschen Kunst

WALTER STÖHRER - KRAFTFELDER Retrospektive bis zum 5.12.2010 in Duisburg

Walter Stöhrer (1937-2000) gehört zu den rebellischen Einzelgängern in der deutschen Kunst. Seine unverkennbaren, starkfarbigen Werke befinden sich nicht nur in bedeutenden deutschen Museen, sondern auch im Büro des Bundespräsidenten.

Im Jahr der Kulturhauptstadt RUHR.2010, in das zugleich der 10. Todestag des Künstlers fällt, ehrt das MKM den Maler mit der ersten umfassenden Werkschau im Ruhrgebiet. Ausgehend von einigen frühen Gemälden aus den 1960er Jahren werden auf ca. 1.000 qm Ausstellungsfläche verschiedene Schaffensphasen bis hin zum letzten Bild ausgestellt.

"Seine Malerei war manchmal eine richtig barbarische Tat", sagt Günther Wirth, der Stöhrers Werk über Jahrzehnte als Freund, Kurator und Kunstkritiker begleitet hat (ausführliches Interview im Katalog). Rund 70 Gemälde sowie Übermalungen auf Papier, Radierungen, Zeichnungen und Tuschen von Walter Stöhrer sind im MKM zu sehen. Das älteste Bild datiert von 1960/62, das jüngste Gemälde hat Stöhrer 1999 vollendet. Es handelt sich um das letzte Bild, an dem der Künstler kurz vor seinem Tod noch gemalt hat.

Der Besucher erlebt einen Gang durch vier Jahrzehnte drängenden Schaffens, wobei die lockere Chronologie Raum für spannende Werk-Kombinationen gibt. Ergänzt werden die Bilder durch eine Dokumentation von Skizzen, Briefen und Künstler-Heften Stöhrers, die seine schöpferischen Arbeitsprozesse vermitteln, sowie ein Film von Werner Krüger, der dem Künstler bei der Arbeit beobachtet.

Der 1937 in Stuttgart geborene Walter Stöhrer begann 1955 sein Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und studierte dort von 1957 bis 1959 bei HAP Grieshaber. Der sozial und politisch engagierte Zeichner und Holzschneider Grieshaber war wichtiger Impulsgeber für die "Neue Figuration" und förderte Selbstbewusstsein und Eigeninitiative seiner Schüler, zu denen u.a. auch Horst Antes, Hans Baschang, Dieter Krieg und Heinz Schanz gehörten. Die Nähe zur figurativen Malerei bleibt auch in Stöhrers Werk stets gegenwärtig und grenzt ihn zur reinen Abstraktion des Informel eindeutig ab.

Nach seinem Studium zog Walter Stöhrer im Alter von 22 Jahren nach Berlin um, wo er sich zunächst intensiv mit der Technik der Kaltnadelradierung auseinandersetzte, die eine wichtige Formfindungsfunktion für sein malerisches Schaffen besaß. Von 1981 bis 1982 war er Gastprofessor an der Hochschule der Künste in Berlin, ab 1986 bis zu seinem Tod ordentlicher Professor.

Schon früh fand Stöhrer seinen eigenen künstlerischen Weg, dem er bis zu seinem Tod im April 2000 in außerordentlicher Kreativität und Konsequenz folgte. Seine Gemälde, Gouachen, Zeichnungen und Radierungen leben aus dem farbintensiven, freien Zusammenspiel von Schrift, Zeichnung und Malerei mit gleichermaßen figurativen wie expressiv-gestischen Ausdrucksmitteln. 

Seinen Bildern wohnen zeitlose Kraft, große Schönheit und Frische inne. Sie führen dem Betrachter unmittelbar die überwältigende Lebens- und Schaffensintensität des Künstlers vor Augen und eröffnen einen bildnerischen Kosmos aus ineinander verwobenen Farben, Formen und Bewegungen.

Eine besondere Bedeutung für die Werke Stöhrers hat die Literatur. Häufig zitiert er auf den Leinwänden und in seinen Bildtiteln Text- und Gedichtfragmente. Dabei setzt er Schrift nicht nur als Gestaltungselement ein, sondern die Bilder entstehen aus seiner assoziativen Auseinandersetzung mit der Literatur.

Der Fokus der Ausstellung im MKM liegt auf Stöhrers Gemälden, daneben sind aber auch wichtige Radierungen, Tuschen und Übermalungen auf Papier zu sehen. Aus seinem umfangreichen druckgraphischen Werkkonvolut wird u.a. der 14-teilige Zyklus „Horror trip“ vorgestellt.

Ein zentraler Raum der Ausstellung zeigt die monumentale 4-teilige Arbeit „Schlachtet den Vater" von 1969. In einer fünfstündigen öffentlichen Malaktion hatte Walter Stöhrer damals im Württembergischen Kunstverein Stuttgart vier großformatige Zeichnungen (je 220 x 630 cm) seines Professors HAP Grieshaber übermalt, der seinen ehemals besten Studenten selbst dazu eingeladen hatte. Das Ergebnis ist – insbesondere vor dem Hintergrund der zeitgleichen Radikalität eines Joseph Beuys – ein eindrucksvolles Zeugnis der Auseinandersetzung mit Lehrer, Tradition und Vorbild, das zugleich Stöhrers Kreativität und Gestaltungswillen dokumentiert.

Kontakt

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