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Zeichnungen stehen in loser Verbindung zur Installation im Raum

Wade Guyton bis zum 22.8.2010 in Köln

Andere haben mit dem Pinsel, mit dem Licht, mit Klängen, ja mit Metaphern gemalt. Wade Guyton malt mit einem Tintenstrahldrucker. Das hört sich kühl und glatt an, ist aber eine ungewöhnlich aufreibende Angelegenheit. Denn solch ein Drucker, selbst ein gewerbliches Modell, ist für derlei Aufgaben gar nicht gerüstet. Er soll Papier bedrucken. Wird ihm Leinwand eingespeist, verliert der Druckkopf manchmal den Griff, es kommt zu Auslassungen und Schlieren. Der Künstler muss deshalb den Druckvorgang fortwährend überwachen, die Leinwand wieder einsetzen, sogar an ihr ziehen, damit das gewünschte Bild erzeugt wird.

Der Drucker kann das in Köln gewählte Breitenformat von 1,75 Meter nur halb bedecken. Deshalb faltet der Künstler die Leinwand längs. Wenn die eine Hälfte fertig ist, dreht er die Leinwand um und bedruckt die andere Hälfte. Die schwarzen monochromen Flächen, Streifen und Blöcke die der Künstler in der letzten Zeit häufig verwendet, werden am Computer erzeugt. Es sind sehr einfache geometrische Formen, die wieder und wieder auf die weiße Leinwand gedruckt werden. Guyton folgt dabei immer einem strengen Schema, es ist ihm z.B. wichtig, dass die Abmessungen der Leinwand sich jeweils technischen und räumlichen Gegebenheiten anpassen.

Die genannte Breite entspricht wie gesagt genau der doppelten des mit seinem Drucker erreichbaren Formats, die Länge von 7,60 Meter ist die der handelsüblichen Leinwandrolle. Doch während die Breite in allen Arbeiten des Künstlers, die auf diesem Drucker entstehen, dieselbe ist, orientiert sich die Länge hier an der Architektur des Ausstellungsraums, der hohen Stirnwand des großen Oberlichtsaals im Museum Ludwig.

Nicht nur das ungewöhnliche Format bezieht sich auf den Raum. Auch das zentrale Bildmotiv, die monochromen Blöcke, fügen sich in ihn ein. Sie bilden ein Echo der ihnen gegenüberliegenden extrem schmalen und langen Treppe. Schwarz und Weiß ahmen die Stufen nach. Schreitet man die Treppe herunter in den Raum, scheint die eigene Bewegung die Streifen gegenüber ebenfalls in Bewegung zu setzen. Die Treppe wird zur Showtreppe, Guytons Wand nimmt auf eine abstrakte, möglicherweise irritierende Weise die Bewegung des Besuchers auf. Sein Gang, sein Auftritt bekommt so etwas Theatralisches und, sieht man die schwarzen Felder als Filmstreifen, auch etwas Cinéastisches. Große Kino-Auftritte auf der Treppe - etwa der von Gloria Swanson in Sunset Boulevard -, kommen einem in den Sinn.

Die Bewegungen, die die Leinwand suggeriert, sind zugleich die, die Künstler und Leinwand während der Herstellung vollzogen haben. Die großen Formate, die Guyton in den letzten Jahren zeigt, haben ihn zu seinen künstlerischen Anfängen zurückgeführt. Denn er ist noch bis 2004 vor allem Bildhauer. Seine eleganten Skulpturen aus Stahl haben die „U"-Form, massiv, mal stehend, mal liegend, bevorzugt. Seine Skulpturen wurden „Zeichnungen im Raum" genannt, daraus wurden dann die „Druckgemälde". Es ist also nicht allzu kühn, von seinen nun extrem langen bedruckten Leinwandbahnen als von „Druckskulpturen" zu sprechen. Sie definieren den Raum neu, in dem sie hängen, sie definieren aber auch ihr Medium um.

Sie geben Malerei oder Druck etwas Plastisches. Und wie jede Skulptur beeinflussen und bestimmen sie auch die Bewegung des Besuchers im Raum. Die von Guyton am Computer entwickelten neueren Gemälde verweisen auf das Bildmotiv par excellence der Moderne: die Monochromie. Schon die klassische Monochromie, bei Alexander Rodtschenko oder Robert Ryman, diente dazu, die Malerei auf das ihr Wesentliche zu reduzieren: die Farbe, die Leinwand, den Rahmen. Guytons monochromen Blöcken dürfen wir, auch wenn sie in größere Komplexe gestellt sind, ein ähnliches Ziel unterstellen wie Rodtschenko und Ryman, selbstreflexive Malerei.

Ihr dichtes Schwarz in Köln besteht etwa aus einer Mischung sämtlicher sieben Farben des Tintenstrahldruckers, ist also die alle Farben summierende Nicht-Farbe. Guytons Künstlerbücher geben uns die Gelegenheit, seine Gemälde auch kunsthistorisch zu verorten. Für seine Ausstellung im Museum Ludwig entsteht ein neues Buch, das auch im Buchhandel zu erwerben ist. Es enthält eine Sammlung von Original-Buchseiten, die Katalogen entnommen und mit einfachen geometrischen Formen überdruckt worden sind. Diese Zeichnungen stehen in loser Verbindung zur Installation im Raum, verbinden die abstrakten computergenerierten Arbeiten mit ihren ikonisierten Vorläufern in der Kunstgeschichte und erweitern das komplexe Referenzfeld Guytons um eine historische Dimension.

Kuratorin: Dr. Julia Friedrich

Dauer der Austellung bis zum 22.8.2010

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