Vor zweihundert Jahren nahm sich Heinrich von Kleist das Leben. Er war einer der größten deutschen Dramatiker und Erzähler. Wie aktuell seine Werke auch heute noch sind, zeigen Veranstaltungen und Projekte im Kleist-Jahr 2011.
Als Heinrich von Kleist im November 1811 im Alter von nur 34 Jahren aus dem Leben schied, galt er als Außenseiter. Seine Theaterstücke wie "Der zerbrochene Krug" oder "Penthesilea" fanden wenig Beifall, "Das Käthchen von Heilbronn" wurde zumindest vom Publikum gefeiert.
Vorreiter der Moderne
Heute gehören Kleists Dramen und Erzählungen wie "Die Marquise von O ..." oder "Michael Kohlhaas" unumstritten zur Weltliteratur. Als Autor hat er zahlreiche Schriftsteller inspiriert und Komponisten zu eigenen musikalischen Werken angeregt.
Dabei wurde er von vielen als Vorreiter der Moderne verstanden. "Kleists Protagonisten sind von deutscher Innerlichkeit und Grübelei frei, sie handeln und scheitern in der Realität", beschreibt das neue Internetportal zum Kleist-Jahr 2011 den "modernen" Ansatz seiner Werke.
Veranstaltungen in verschiedenen Formaten
Aus Anlass des 200. Todestages des Dichters sollen Bedeutung und Aktualität des Dramatikers und Erzählers nun auch einer breiten Öffentlichkeit bekannter gemacht werden.
Deshalb finden im Verlauf des Jahres zahlreiche Veranstaltungen in verschiedenen Kunstsparten und Formaten statt: Ausstellungen, Theater-, Musik- und Filmaufführungen sowie Kongresse, Lesungen und Buchvorstellungen.
Offiziell beginnt das Kleist-Jahr am 4. März mit einem Festakt in Frankfurt/Oder, der Geburtsstadt des Dichters. Dann soll auch der erste Spatenstich für den Erweiterungsbau des Kleist-Museums gesetzt werden. Schirmherr des Gendkjahres ist Bundespräsident Christian Wulff.
Von der Kulturstiftung des Bundes gefördert
In Zusammenarbeit mit der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft Berlin, dem Kleist-Museum Frankfurt (Oder), dem Maxim Gorki Theater Berlin und der Theatergruppe Rimini Protokoll beteiligt sich auch die Kulturstiftung des Bundes am Gedenkjahr. Neben zwei kulturhistorischen Ausstellungen in Berlin und Heidelberg unterstützt sie unter anderem auch das "Kleist-Festival" im Berliner Gorki-Theater.
Zentrale Internetplattform zum Kleist-Jahr
Informationen zu allen Veranstaltungen und Projekten im Kleist-Jahr 2011 sind auf dem neuen Kleist-Portal zu finden. Außerdem Angaben zu Leben und Werk des Dichters sowie zu den aktuellen Vorhaben der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft und des Kleist-Museums.
Beide Einrichtungen haben das Internetportal konzipiert und entwickelt. Sie wurden dabei aus dem Haushalt des Kulturstaatsministers finanziell unterstützt. Über das Gedenkjahr 2011 hinaus soll das Portal allen "Kleist-Partnern" als zentrale Plattform zur Verfügung stehen.
Quelle:
http://www.bundesregierung.de/...
Kleists Erzählungen sind aus heutiger Sicht innovative Leistungen. In ihnen wird die romantische Identitätsproblematik ästhetisch und thematisch so weit radikalisiert, dass die ersehnte Versöhnung mit der Natur, der Geschichte oder der Kunst versagt bleibt.
Am deutlichsten zeigt sich Kleists Originalität in der Sprache. Wie kein anderer Schriftsteller seiner Zeit verhielt er sich subversiv gegenüber einer automatisierten und gattungskonformen Redeweise. Nüchterne Sachlichkeit wird durch Paradoxien, Doppeldeutigkeiten und Ironie unterlaufen.
Diese Stilmittel werden wiederum von einer Syntax getragen, die die Grenzen des Verstehbaren erreicht. Durch den Kontrast wird eine Synchronisierung, Zeitraffung, Dynamisierung des Geschehens und eine Plastizität des Dargestellten erreicht, wie sie erst in der Literatur des 20. Jahrhunderts wieder gelingen sollte.
(Harenbergs Lexikon der Weltliteratur, Dortmund 1989, Band 3, Seite 1631)

