Gesellschaft Freunde der Künste

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Erfordernisse der modernen Arbeitswelt

Vision der neuen Arbeitswelt - Die 4-Tage-Woche bei Awin

Holger Schellkopf, Chefredakteur bei W&V, glaubt das es bald eine neue Arbeitswelt geben wird. Einer der Vorreiter ist das Affiliate-Netzwerk Awin.

Lieber Herr Böhmer,

es gilt inzwischen als ausgemacht, dass die Corona-Pandemie (oder besser ihre Folgen) für eine Digitalisierung on steroid sorgte. Mindestens genauso wichtig – und irgendwie ja auch direkt verbunden - sind langfristig gesehen aber die Auswirkungen auf die Arbeitswelt, die Arbeitsorganisation.

Wohin die Reise gehen kann, zeigen Unternehmen wie Awin. Das Affiliate-Netzwerk, übrigens mit Axel Springer und United Internet verbunden, hat jetzt verkündet, man starte Anfang 2021 in die Pilotphase für seine 4-Tage-Woche für alle Mitarbeiter:innen – bei vollem Lohnausgleich wohlgemerkt.

Es gehe um eine "auf die Mitarbeiter ausgerichteten Vision der neuen Arbeitswelt", lässt das Unternehmen wissen. Awin setzt damit zweifellos ein Zeichen, tut dies aber auf Basis eigener Erkenntnisse.

Im vergangenen halben Jahr wurde dort die Viereinhalb-Tage-Woche getestet – mit Erfolg. Die Mitarbeiter:innen würden ihre Zeit effizienter nutzen, hätten mehr Möglichkeiten für eigene Aktivitäten.

Das alles sorge dafür, dass in vier Tagen genauso viel geschafft werde wie bisher in 5 Tagen.

Bei so manchen Vorgesetzten, die in der Vergangenheit schon wegen Mobile Office mit Schnappatmung zu kämpfen hatten, werden derlei Entwicklungen den Blutdruck in die Höhe jagen. Allein: es wird nichts ändern.

Auch wenn wir noch in der Findungsphase sind, ist schon jetzt sicher, dass Arbeits- und Entgeltmodelle in der Zukunft wesentlich weniger im direkten Zusammenhang mit Arbeitszeit stehen werden.

Andersrum wird eher ein Schuh draus: wem ist geholfen, wenn man sich weiter an Sitzprämien festklammert? Klar ist aber auch: Unternehmen sind per se keine caritativen Organisation, sie wollen und müssen Geld verdienen.

Deshalb werden nur Modelle bestehen, von denen auf Dauer alle Beteiligten profitieren. Mehr Zeit für die Menschen, höhere Effizienz für die Unternehmen klingt für den Anfang ja gar nicht so schlecht.

Schönen Abend.

Holger Schellkopf