Vernetzung ist keine Erfindung der Gegenwart. Albrecht Dürer war eine zu
seiner Zeit hochvernetzte Person: Durch die Einbindung in die dichte
kommunikative Verflechtung des europäischen Humanismus sind seine
Werke ein kunsthistorisches Weltereignis geworden, das bis heute Millionen
begeistert.
Die sich nach 1500 rasch ausbreitenden Medien Buchdruck und Briefkultur
ließen die Menschen standesübergreifend in Kontakt bleiben, vermittelten
Neues aus Wissenschaft und Kultur und ermöglichten weltweite Kontakte.
Das ließ den Wunsch aufkommen, die Persönlichkeit des Briefpartners nicht
nur schriftlich, sondern auch bildlich präsent zu haben.
So erlebten zwei Kunstgattungen einen gewaltigen Aufschwung, weil sie klein und handlich waren: die Bildnismedaille und das druckgrafische Porträt, denn sie ließen sich leicht versenden.
Nicht zuletzt daraus resultieren Dürers meisterhafte Kupferstich-Bildnisse von Willibald Pirckheimer, Erasmus von Rotterdam oder Philipp Melanchthon ebenso wie die beiden Medaillenporträts von Dürer selbst – seine letzten Bildnisse bei Lebzeiten.In der direkten Gegenüberstellung mit unseren heutigen, sich stetig
fortentwickelnden Kommunikationssystemen will die Ausstellung vor allem
eines zeigen: Die Teilhaber von Netzwerken sind im Bild und bleiben präsent
– oft über Jahrhunderte.
So soll das Phänomen „Netzwerk“ sowohl aus der
Sicht des 16. Als auch des 21. Jahrhunderts untersucht werden:
Wie wirken Dürers Briefe, wenn sie von Menschen der Gegenwart gelesen werden?
Und wie würde uns der Künstler höchstpersönlich seine rätselhaften Kupferstiche erläutern?In zwei Medienstationen wird diesen Fragen in der Ausstellung auf originelle und doch ernsthafte Weise nachgegangen.
Auch diesem Ausstellungsprojekt liegt ein Netzwerk zu Grunde: Als weitere
Kooperationspartner für die Ausstellung konnte das Kulturgeschichtliche
Museum in Osnabrück mit der Dürersammlung der Konrad-Liebmann-
Stiftung, die Stadtbibliothek Nürnberg, das Staatsarchiv Nürnberg und das
Germanische Nationalmuseum gewonnen werden.
Die Dürer-Vorträge 2010
Auch die traditionellen Dürer-Vorträge im Albrecht-Dürer-Haus widmen sich
am Samstag, 4. Dezember 2010, – nicht nur aus kunsthistorischer
Perspektive – dem Thema der Ausstellung: "Netzwerk Dürer.
10 Uhr Dr. Birgit Münch, Universität Trier
Ein Vergil für Wittenberg. Humanistische Netzwerkstrukturen und
mehrdimensionaler Bildsinn am Beispiel von Dürers Martyrium der
zehntausend Christen
11 Uhr Dr. Lothar Schmitt, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
Fülle der Bedeutungen. Dürer im Netz des Humanismus
14 Uhr Shira Brisman, Yale University New Haven, Connecticut
Offener Brief: Albrecht Dürer schreibt an den Nürnberger Stadtrat
15 Uhr Dr. Dagmar Hirschfelder, Germanisches Nationalmuseum
Nürnberg
Bildniszeichnungen als Tauschobjekte und Freundschaftsgaben.
Zu Dürers Netzwerkbildung auf der niederländischen Reise
16.15 Dr. Sebastian Oesinghaus, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
„Inwendig voller Figur“ – Dürers „Drei grosse Bücher“ und die
Erfindung des Künstler/Malbuches
17.15 Markus Hofmann, Leiter Marketingstrategie Infrastruktur (KSI),
Deutsche Bahn AG / Managing Director, Network Institute, Berlin
„Dürer – Netzwerker mit Perspektive“
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Bild 1 Zeitleiste © Museen der Stadt Nürnberg
Bild 2 Albrecht-Dürer-Haus © Museen der Stadt Nürnberg
Bild 3 Albrecht-Dürer-Haus, Dürerwerkstatt © Museen der Stadt Nürnberg
Bild 4 Albrecht-Dürer-Haus, Druckerwerkstatt © Museen der Stadt Nürnberg

