Jubel und Gekreische, peinliche TV-Auftritte, Europa-Schelte und frittierte Butter am Stiel - Amerikas verrückter Wahlkampf lässt Sabine Müller, Auslandskorrespondentin und Leiterin des ARD-Hörfunkstudios in Washington, oft kopfschüttelnd zurück.
Meine erste Nahkampferfahrung mit dem amerikanischen Präsidentschaftsrennen ist zuckersüß. Es ist August 2011, und ich bin auf dem platten Land in Iowa. Dort findet die „Ames Straw Poll“ statt, das ist ein allererster Stimmungstest, wie die republikanischen Bewerber beim Parteivolk ankommen.
Vor der Wahl lassen sich die Kandidaten – gerne in Jeans und Cowboystiefeln - alle auf der „Iowa State Fair“ blicken, einer Mischung aus Kirmes und Landwirtschaftsshow. Fast alles, was man dort essen kann, ist frittiert und wird aufgespießt am Stiel serviert.
Neu in diesem Jahr: „Fried Butter“, tiefgekühlte Butterstücke, die in einem Honig-Zimt-Teig ausgebacken werden. Ziemlich bizarr und recht schwer verdaulich – das gilt nicht nur für die frittierte Butter sondern auch für diesen verrückten Wahlkampf, der so ganz anders ist als alles, was ich aus Deutschland kenne.
In Iowa ist noch alles klein und familiär: Kandidat Rick Santorum verteilt selbst gemachte Pfirsichmarmelade an die Wähler, und Herman Cain, der später wegen Sex-Vorwürfen aus dem Rennen aussteigen muss, singt Gospel. Iowa ist der Auftakt zu einem Vorwahlkampf, der selbst vielen eingefleischten Republikanern wie eine schlechte Castingshow vorkommt: mit Kandidaten, die von langweilig über ignorant bis durchgeknallt reichen.
Der Kampf wird vor den Augen der amerikanischen Fernsehöffentlichkeit ausgefochten, denn die Kandidaten geben nicht nur ununterbrochen Interviews, sie treffen sich auch regelmäßig zu Fernsehdebatten. Das Ganze bietet reichlich Gelegenheit zum Fremdschämen, wenn sich Möchtegern-Präsidenten selbst demontieren.
Rick Perrys Blackout, als er sich nicht mehr an die drei Ministerien erinnern konnte, die er abschaffen will, ist mittlerweile ein Klassiker, genau wie Herman Cains freimütiges Eingeständnis, ihn interessiere nicht, wer Präsident von „Us-beki-beki-stan-stan“ ist.
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Auslandskorrespondentin und Leiterin des ARD-Hörfunkstudios in Washington: Sabine Müller - Bild: © hr