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Dieser Abend ist den Frauen gewidmet

Trilogie der Frauen« hat in Hamburg Premiere - Simone Young dirigiert Uraufführung von Oscar Strasnoys »Le Bal«

Dieser Abend ist den Frauen gewidmet: Eine »Trilogie der Frauen« hat die Hamburger Opernchefin Simone Young ihre vierte Premiere der Saison genannt. Eingerahmt von Arnold Schönbergs »Erwartung« und Wolfgang Rihms »Das Gehege« findet sich am 7. März 2010 auch eine Opern-Uraufführung von Oscar Strasnoy.

Im Auftrag der Hamburgischen Staatsoper schuf der argentinische Komponist mit Wohnsitz in Lyon ein temporeiches Ensemblestück mit vier Frauenpartien – das war die Vorgabe des Hamburger Opernhauses. Strasnoy fand schnell den passenden Stoff:

»Der Ball«, ein Roman von Irène Némirovsky. 18 Monate hatte der Komponist Zeit für die Ausarbeitung der Partitur, deren Gesangspartien auf die stimmlichen und persönlichen Charaktere der Ensemblemitglieder ausgelegt sein sollten. Das Libretto schrieb der Kanadier Matthew Jocelyn, der auch die Regie der Produktion übernimmt.

Irène Némirovskys Roman »Der Ball« ist eine bitterböse Familiengeschichte: Die Eltern der 14-jährigen Antoinette planen einen Hausball, der ihnen einen angemessenen Platz in der feinen Pariser Gesellschaft sichern soll. Antoinette darf an dem glanzvollen Ereignis nicht teilnehmen, zu sehr sieht die gefühlskalte Mutter in dem heranwachsenden Mädchen eine Konkurrentin.

Antoinette rächt sich für die erlittenen Demütigungen: Die Einladungen zum großen Ball wirft sie nicht wie aufgetragen in den Briefkasten, sondern in die Seine. Hinter einem Sofa versteckt beobachtet sie am Abend des Balls, wie die Aufregung ihrer Mutter nach und nach in Verzweiflung umschlägt, als niemand kommt...

Mit »Le Bal« hat Irène Némirowsky, die 1903 als Tochter eines jüdischen Bankiers in Kiew geboren wurde und mit ihrer Familie während der russischen Revolution nach Paris emigrierte, ihrer eigenen lieblosen Mutter ein wenig schmeichelhaftes Denkmal gesetzt. Schon in dieser frühen Novelle zeigt sich der nüchterne, genau beobachtende Blick der Autorin, der ihren literarischen Stil bis hin zu ihrem posthumen Erfolg »Suite française« prägt.

Opernintendantin Simone Young war mit der Wahl des Stoffes sofort einverstanden. Nicht nur aufgrund ihrer Bewunderung für das literarische Werk der russisch-französischen Autorin und der hohen Emotionalität des Stoffes, sondern auch wegen der Möglichkeiten, die »Le Bal« für das Auftragswerk bot:

»’Le Bal’ soll eine echte Ensembleoper werden, geschrieben für ganz bestimmte Sängerinnen und Sänger, die bei uns engagiert sind – das macht die spezielle Magie dieser Uraufführung aus«, sagt Simone Young.

Für die australische Dirigentin ist ein Auftragswerk etwas Besonderes: »Nur bei einer Uraufführung hat man als Intendant die Chance, auf das musikalische Material produktiven Einfluss zu nehmen. Ich kann den Komponisten dabei begleiten, eine Partie für den Sänger maßzuschneidern.«.

Auch der Komponist setzte sich intensiv mit dem Stoff auseinander: »Bevor ich an die Komposition einer Oper gehe, arbeite ich viel am Text mit«, sagt Oscar Strasnoy. Der Stoff ist ihm wichtig, Libretto und Musik sind für ihn untrennbar. »In meiner Musik liegt, glaube ich, eine besondere Vokalität.

Beim Komponieren singe ich die Worte. Der erste Impuls ist immer Gesang, erst danach baue ich das instrumentale Gerüst.« Zuletzt sorgte der 1970 in Buenos Aires geborene Strasnoy beim renommierten Eclat Festival in Stuttgart für Furore, zurzeit arbeitet er an einer Oper für das Festival in Aix-en-Provence sowie gemeinsam mit Hans Magnus Enzensberger an einem Stück über die Fassbinder-Muse Ingrid Caven.

Außerdem sind zwei neue Orchesterwerke im Entstehen, die im Oktober 2010 vom Orchestre National de Lyon uraufgeführt werden. Im September 2009 übergab Oscar Strasnoy Simone Young den Klavierauszug von »Le Bal«. Letzte Korrekturen wurden vorgenommen, dann ging das Werk in Druck – jetzt hat die Arbeit der musikalischen Einstudierung begonnen.

»Die Hamburgische Staatsoper hat viele Anstöße zur Moderne gegeben, Opern von Rihm, Henze, Schnittke, Kagel oder Lachenmann sind hier uraufgeführt worden«, betont Simone Young. Mit »Le Bal« wird die Intendantin nun diese Tradition fortsetzen und platziert Strasnoys Werk als Mittelstück der »Trilogie der Frauen« zwischen den beiden Werken Schönbergs und Rihms.

»Trilogie der Frauen«

Musikalische Leitung:  Simone Young
Inszenierung:   Matthew Jocelyn
Bühnenbild und Kostüme: Alan Lagarde
Licht:    Roberto Venturi

Arnold Schönberg »Erwartung«

Die Frau:   Deborah Polaski

Oscar Strasnoy »Le Bal«
Uraufführung / Auftragswerk der Hamburgischen Staatsoper

Antoinette:   Trine W. Lund
Rosine:  Miriam Gordon-Stewart
Alfred:    Peter Galliard
Miss Betty:   Ann-Beth Solvang
Mademoiselle:  Isabelle Miriam Clark
Georges:   Moritz Gogg

Wolfgang Rihm »Das Gehege«

Die Frau:   Hellen Kwon
Adler:    Marco Sickel

Premiere A:    7. März 2010, 18.00 Uhr
Premiere B:    10. März 2010, 19.00 Uhr
Aufführungen:   14., 18., 23. und 26. März 2010, 19.00 Uhr 

Tipps: Im März 2010 erscheint im Knaus Verlag die Biografie von Irène Némirovsky (Autoren: Olivier Philipponnat und Patrick Lienhardt, gebunden, 576 Seiten).

Am 15. März 2010 sind die Tochter von Irène Némirovsky, Denise Epstein, und der Biograf Olivier Philipponnat im Rahmen einer Lesung und eines Gesprächs zu Gast im Hamburger Literaturhaus. Beginn ist 20.00 Uhr.

Karten sind an der Tageskasse der Hamburgischen Staatsoper, unter der Telefonnummer
040 / 35 68 68, im Internet unter www.staatsoper-hamburg.de  sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Hamburgische Staatsoper GmbH
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