Indie-Rocker wie Shout Out Louds oder The Notwist, Jazz-Größen wie Pat Metheny oder Brad Mehldau, Singer/Songwriter wie José González oder Get Well Soon, feinsinnige Popmusiker wie die dänische Gruppe Efterklang und nicht zuletzt die Duisburger Philharmoniker sorgen bei der TRAUMZEIT vom 2. – 4. Juli 2010 für ein Programm jenseits aller stilistischer Schubladen.
In einem einzigartigen Projekt ist Helge Schneider zu erleben. Das Universalgenie wird mit dem musikalischen Chamäleon Chilly Gonzales als improvisierendes Piano-Duo auftreten. Damit unterstreicht das Festival im Landschaftspark Duisburg-Nord seinen Ruf als unkonventionellstes und offenstes Musikereignis im deutschsprachigen Raum.
Auftragskompositionen sind bei der TRAUMZEIT seit Jahren eine feste Einrichtung. In diesem Jahr ist der Auftrag sogar zweifach vergeben worden. Das Duo Peter Bolte (Saxofon / Flöte) und Jim Campbell (elektronische Livebearbeitung und Bandmanipulation) verbindet kompositorisch Improvisiertes und improvisatorisch Komponiertes miteinander.
Ausgangspunkt ist die CD The World As We Knew It In 1980, die in Arrangements für das Duo und 19 Streicher der Duisburger Philharmoniker fortgeführt wird. Die zweite Auftragskomposition ging an das Duo Furiosef, bestehend aus dem Trompeter Markus Türk und dem Pianisten Manfred Heinen.
Unter dem Titel Holzwege ins Glück inszenieren die beiden eine musikalische Wandertour für Jazzquintett, Streichquartett und Blaskapelle. Auch die Holzwege ins Glück wären nicht möglich ohne zahlreiche Mitglieder der Duisburger Philharmoniker.
Insgesamt werden rund 50 Bands, Projekte und DJs an den drei Festivaltagen zu hören sein. Am Samstag, 3. Juli, macht wie im Vorjahr das VJ-, DJ- und Künstler-KollektivBeatplantation die Nacht zum Tage.
Partner der TRAUMZEIT sind auch in diesem Jahr wieder die RWE Rheinland Westfalen Netz AG, die Sparkasse Duisburg und der Kultursender WDR 3.
Zwischen Indie-Rock und Singer/Songwritern – soviel kreativen Pop gab es am Hochofen noch nie
Nach einer längeren Pause setzt die schwedische Band Shout Out Louds (2. Juli) ihre Karriere mit der neuen CD Work fort. Hoch intelligent und ein bisschen melancholisch ist die Musik der Kunststudenten, die schon auf dem halben Erdball für Begeisterung gesorgt haben.
Speziell für die TRAUMZEIT werden sie ihre Mischung aus Indie-Rock und Sechziger-Jahre-Sound mit acht Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker arrangieren.
Glamour sucht man beim Singer/Songwriter José González (2. Juli), dem Schweden mit argentinischen Eltern, vergeblich. Seine Songs sind klar, beinahe spröde, und doch entwickeln sie eine unglaubliche Magie und Präsenz. Auch die Gitarren-Begleitung zu seiner warmen Stimme ist sparsam, keine Note ist überflüssig, jeder Ton sitzt da, wo er hin gehört.
Get Well Soon (3. Juli) nennt Konstantin Gropper sein Band-Projekt. Seit dem Debüt Rest Now Weary Head... wird der kluge und nachdenkliche junge Mann auch international als musikalische Offenbarung, gar als German Wunderkind, gefeiert.
Die Opulenz, Melodienfülle und Arrangeurskunst, die Gropper über uns ausgießt, sind von geradezu majestätischer Würde. Sein zweites Album hat er Vexations betitelt und es enthält Musik voller Emotionen und Melancholie.
Elektronische und akustische Klänge verbinden sich bei der dänischen Band Efterklang
(4. Juli) zu einem orchestralen Pop, der nicht die Sinne verklebt, sondern verzaubert und wach macht. Ihre neue CD Magic Chair strotzt vor Energie, epischen Melodien und begnadetem Songwriting. Das macht sie zu einer der hoffnungsvollsten und spannendsten Bands. Unterstützt werden sie in Duisburg von den Efterkids, einem Streicher-Sextett der Niederrheinischen Musik- und Kunstschule.
Als d i e deutsche Indie-Band schlechthin gilt einem großen Publikum The Notwist (4. Juli). Auch wenn sich die Weinheimer Band in den 20 Jahren ihres Bestehens unterschiedlichster Stilmittel wie Hardcore, Elektronikschnipseln oder hymnischen Melodien bediente, herrschte immer ein melancholischer Grundton vor. Mehr denn je verbindet sie heute die losen Enden von Indie-Rock, Elektronik, Pop und Jazz zu einem atmenden Organismus.
Jazz mit der Pat Metheny Group, Brad Mehldau und dem Duo Helge Schneider & Chilly Gonzales
An den großen Auftritt des Brad Mehldau Trios im Jahr 2008 mit seinem feinsinnigen Zusammenspiel und seiner beherrschten Emotionalität erinnert sich noch mancher Traumzeit-Besucher gerne.
Einige Kritiker behaupten allerdings, Mehldau sei solo am besten. Das lässt sich in diesem Jahr (3. Juli) überprüfen. Vielen Kritikern gilt der Freund intelligenter Pop-Musik jedenfalls als der wichtigste Pianist der Nach-Jarrett-Generation.
Ein wahrhaft einzigartiges Konzert werden Helge Schneider & Chilly Gonzales (3. Juli) geben. Der Autor, Film-Macher und Komiker Helge Schneider ist zugleich ein großartiger Pianist, der den Jazz geradezu lebt. In dem eigens für diesen Abend ins Leben gerufenen Piano-Duo trifft er auf Chilly Gonzales.
Der Franko-Kanadier studierte Jazz-Piano, schätzt Klassik und experimentierte in Kanada zunächst mit Pop-Musik. Als er im Jahr 2000 nach Berlin übersiedelte, entdeckte er erst den Hip Hop, dann den Elektro-Pop für sich.
Später überraschte er mit einer zwischen Jazz und Klassik angelegten Solo-CD. Diese Eigenkompositionen führte er beim renommierten Glenn-Gould-Festival 2007 in Berlin mit großem Erfolg auf. Seine Vielseitigkeit, seine Unberechenbarkeit und sein Humor machen ihn zu einem idealen Improvisations-Partner von Helge Schneider.
Der Gitarrist Pat Metheny (4. Juli) ist einer der wenigen Jazz-Musiker, die weit über die engere Jazz-Gemeinde hinaus beachtet werden. Seine internationale Karriere begann in den siebziger Jahren, als er die Jazz-Gitarre für eine junge Generation von Musikern und Hörern neu definierte.
Seither ist Metheny unzählige Male als bester Jazz-Gitarrist des Jahres ausgezeichnet worden und hat 17 Grammys gewonnen. Bei all seinen Experimenten blieb er wiedererkennbar. Sein klarer und doch warmer Sound, seine Fülle von Klangfarben und seine von einem lyrischen Grundverständnis getragenen Improvisationen begeistern seit Jahrzehnten.
Weitere Programmschwerpunkte sind unter anderem dem Jazz de France und den New European Big Bands gewidmet. Aus Frankreich kommen drei Pianisten mit höchst unterschiedlichen Ansätzen:
Jean-Marie Machado stellt seine zwischen Jazz und Klassik navigierender Formation Danzas vor und Andy Emler sein energiegeladenes MegaOctet. Im Duo Shift improvisiert der Film-Regisseur Antoine Carlier mit seinen Videobildern live zu der Musik des Pianisten Guillaume de Chassy.
Von Duke Ellington bis Thrash Metal reichen die musikalischen Sprachen, die die Musiker von The Dorf, der Großformation um den Saxofonisten Jan Klare, beherrschen.
Ihre Musik sprengt ebenso den gängigen Big Band Sound wie das Surnatural Orchestra mit seiner wilden Mischung aus Improvisationen, verteufelten Ragas und Orchester-Tutti. Das Klang-Kollektiv inszeniert ein typisch französisches Spektakel mit Kostümierung und überraschenden Licht-Effekten.
Instrumentaler Einsatz von Gesang, großer Freiraum für die einzelnen Musiker und komplexe Themen kennzeichnen das Thoneline-Orchestra der Saxofonistin und Komponistin Caroline Thon.
Die 27-köpfige Blood Sweat Drum’n‘Bass Big Band aus Dänemark setzt auf eine große Rhythmus-Gruppe mit zwei Bässen, zwei Keyboardern und drei Perkussionisten. Als Gast-Solist wird der norwegische Multi-Instrumentalist Jörgen Munkeby für Furore sorgen.
Ausgelassene Partys und zarte Melodien – Weltmusik
Weltmusikalische Aspekte bringen u.a. das argentinisch-deutsche Elektro-Tango-Projekt Tango Crash oder der aus Frankreich stammende zehnköpfige Babylon Circus mit seinem berauschenden Spektakel aus osteuropäischer Folklore, Reggae, Ska, Jazz und Punk. Auch Shantel und sein Bucovina Club Orkestar setzen auf Balkan Beats, haben sie allerdings zu einer paneuropäischen Folklore weiter entwickelt, mit der sie Festivals zwischen Istanbul und Glastonbury, Athen und Montreux in eine Partyzone verwandeln.
Auf eher ruhige Töne und zarte Melodien setzt zumeist die brasilianische Singer/Songwriterin Adriana Calcanhotto. Rund ein Dutzend CDs hat die ausgezeichnete Gitarristin, die in der Tradition von Caetano Veloso steht, bislang in Brasilien veröffentlicht.
Duisburger Philharmoniker – präsent wie nie
Auch wenn die Duisburger Philharmoniker als gesamtes Orchester nicht zu hören sind – so aktiv waren sie noch nie bei der TRAUMZEIT. Sie werden sich über die gesamten drei Tage auf spannende Begegnungen mit Jazz-, Welt-, Elektronik- und Popmusikern einlassen.
Ob als Kammerorchester, Streicher-Ensemble oder in kleinen Instrumentengruppen, die Philharmoniker werden auf den verschiedenen Bühnen so präsent sein wie nie zuvor. Zu hören sind sie u.a. bei den Auftragskompositionen mit Furiosef und dem Duo Peter Bolte/Jim Campbell sowie gemeinsam mit Eva Kurowski und den Shout Out Louds.
Die Schlagwerker der Philharmoniker haben ihren großen Auftritt beim Schwerpunk Percussion. Hier präsentieren sie sich neben dem Projekt Xala – The Five Elements, in dem Ania Losinger ein Bodenxylophon tanzend bespielt, und dem Duo TTukunak der Zwillingsschwestern Maika und Sara Gomez, die auf dem archaischen baskischen Txalaparta ein Feuerwerk an Rhythmus, Kraft und Eleganz abbrennen.
Tickets & Service
Festivalpass: Vorverkauf 78 Euro, Tageskasse 86 Euro
Tagestickets: Vorverkauf 34 Euro, Tageskasse 39 Euro
Tagesticket für Jugendliche (bis 23 Jahre): Vorverkauf und Tageskasse 20 Euro
Alle Informationen unter www.traumzeit-festival.de
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