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eine Verbeugung vor der Magie des Kinos

Tornatores Ziel die Unschuld einzufangen - Jetzt im Kino - BAARIA EINE ITALIENISCHE FAMILIENGESCHICHTE

Peppino ist als Sohn eines einfachen Schafhirten, der sich für Bücher interessierte, aufgewachsen. Er erinnert sich an seine Kindheit im sizilianischen Dorf Baaria, in dem Jeder Jeden kennt, während die Faschisten durch die Straßen marschieren.

Nach dem Ende Mussolinis schließt sich der junge Mann mit dem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn den Kommunisten an. Die Eltern seiner Auserwählten Mannina sehen das nicht gern. Peppino muss eine Entscheidung treffen.

KRITIK:

Giuseppe Tornatore verzahnt in durchkomponierten Bildern ein halbes Jahrhundert Familiengeschichte mit der politischen Siziliens vom Beginn des Faschismus bis in die 1980er Jahre.

Vor fast 20 Jahren verzauberte Giuseppe Tornatore mit "Cinema Paradiso", eine Verbeugung vor der Magie des Kinos und Geschichte über das Erwachsenwerden.

Auch sein neuer Film spielt in Sizilien, in seiner Heimatstadt Baarìa (Bagheria), die er mit 28 Jahren verließ, etwas spät - nach Fabrizio Salina in "Der Leopard" muss ein junger Mann vor seinem 17. Geburtstag Sizilien verlassen, sonst komme er niemals raus aus der Region. Tornatore kehrt jedenfalls immer wieder zurück. Erneut ist ein Junge Protagonist, dessen Werdegang er bis ins hohe Alter verfolgt.

Tornatores Ziel, die Unschuld einzufangen, die der junge Mann am Tag des Abschieds von der Insel verlor und die Handlung in einer einzigartigen und zeitlosen Epoche anzusiedeln, einem kleinen, überschaubaren Reich um eine Straße nicht weit vom Hauptplatz entfernt, erreicht er vor allem am Anfang dieser Familiengeschichte von drei Generationen.

Er erzählt vom Großvater und armen Schafhirten Ciccio, der sich für Bücher interessiert, von dessen Sohn Peppino, einen glühenden Kommunisten, und von Enkel Pietro, Repräsentant der modernen Zeit. Peppino steht im Mittelpunkt, er beisst sich durch und heiratet seine große Liebe, steigt trotz mangelnder Bildung in der Kommunistischen Partei auf.

Die Menschen erleben hautnah die Ereignisse, dabei geht es im Eiltempo durch die Historie, vom Faschismus über den Zweiten Weltkrieg bis weit hinein in die Nachkriegszeit, Mafia-Umtriebe und Studentenrevolte inklusive.

Das ist zu viel für einen Film mit Ellipsen und Wiederholungen, der nicht über den epischen Atem von Bernardo Bertoluccis "1900" verfügt und in Nostalgie schwelgt, einiges anreißt, aber nicht zu Ende erzählt, aber dafür durch anrührende Details wieder wett macht.

Da rennen die Jungs immer wieder durch die Straße, Spiegelbild von nicht nur baulicher, sondern auch gesellschaftlicher Veränderung, starren im Kino gebannt auf die Leinwand oder - eine der schönsten Szenen - läuft und läuft der Kleine, hebt ab und lässt Dorf, Hänseleien und Armut unter sich.

Irgendwie ist immer etwas los, in manchen Momenten fehlt die Ruhe, sich auf die Personen einzulassen, die schön und leidenschaftlich für ihre Sache kämpfen.

Italien setzte jedenfalls auf "Baarìa" und schickte das Epos, das in der Startwoche an die Spitze der heimischen Charts stürmte, ins Oscar-Rennen. Für Tornatore, Gewinner des Auslands-Oscars 1989 für "Cinema Paradiso", nach all der Kritik eine Bestätigung. mk.

Komödie - Italien 2009
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren - 151 Min. - Verleih: Tobis

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