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berührende Tragödie

Timbuktu - eindringliches Drama über den Einfluss von Dschihadisten auf das alltägliche Leben der Menschen in Timbuktu

Berührende Tragödie von brisanter Aktualität über Menschen einer malischen Stadt im Würgegriff religiöser Fundamentalisten.

Die sogenannten Gotteskrieger, die im Namen Gottes die schlimmsten Gräueltaten verüben, gehören zum europäischen Fernsehalltag, bleiben aber (noch) weit weg. In Abderrahmane Sissakos Tragödie brechen sie in den Alltag ganz normaler Menschen ein, brüllen per Megaphon eine ihrer neuen Regeln: "Musik ist verboten". Die bewaffneten Dschihadisten sorgen erst für Lacher mit ihren abstrusen Ordnungsvorstellungen, bis auch das Lachen unter Strafe steht. Wie ein grauer Schleier legt sich ihre Präsenz auf die Stadt Timbuktu. Das Leben auf den Straßen erstickt in Angst. Noch spürt der Tuareg Kidane, der friedlich mit seiner Frau und Tochter sowie einem zwölfjährigen Hirtenjungen in der Wüste lebt, wenig vom Terror. Bis eines Tages ein Fischer seine Lieblingskuh tötet und er den Täter bei einer Rangelei versehentlich erschießt. Die neuen Herrscher kennen keine Gnade.

Timbuktu demnächst im Kino

Sissako plante ursprünglich ein dokumentarisches Essay über die Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus. Als er mit erlebte, wie ein Paar, das unverheiratet Kinder aufzog, gesteinigt wurde, änderte er das Thema hin zum Spielfilm, der an stiller Eindringlichkeit kaum zu übertreffen ist. Die Dschihadisten sind keine schwarz vermummte Masse, sondern eine Gruppe von Männern unterschiedlicher Herkunft, die sich kaum mit den Einheimischen verständigen können, deren Traditionen missachten und sich auch über ihre eigenen Prinzipien dreist hinwegsetzen. Während Fußball verboten ist und die Jungs in einer absurden Szene pantomimisch Fußball ohne Ball spielen, unterhalten sich die Drangsalierer über Messi & Co.. Trotz Rauchverbot raucht einer der Unterdrücker heimlich und begehrt schamlos die Frau des Tuareg.

Sissako plante ursprünglich ein dokumentarisches Essay über die Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus

Die Menschen versuchen, ihre Würde zu bewahren und wehren sich, wie die Fischverkäuferin, die sich weigert, mit Handschuhen zu arbeiten oder die Mutter eines Mädchens, das zwangsverheiratet werden soll. Die Scheinheiligkeit der Islamisten, die auch gegen den toleranten Islam kämpfen, manifestiert sich permanent. Die Impuls gebende Steinigung wird in einer kurzen und alptraumhaften Sequenz gezeigt. Im Kontrast zu den gezeigten Grausamkeiten stehen Bilder von poetischer Kraft, ein imposantes Spiel mit Farben vor farbloser Wüstenlandschaft. Es beeindrucken auch die professionellen und Laiendarsteller, die vom Leben gezeichneten Gesichter. "Timbuktu" ist ein leiser und zeitloser Film von immenser Wucht, der Sissakos Ruf als einen großen Humanisten des heutigen Kinos festigt. mk.

Kinostart: 11.12.2014

Quelle: kino.de