Professor Immanuel Kant ist in Begleitung seiner Frau, seines Bruders Ernst Ludwig und Friedrichs, seines Papageis, auf einem Luxusdampfer unterwegs nach Amerika. Er soll den Ehrendoktortitel der Columbia University empfangen und sich einer Augenoperation wegen eines Glaukoms unterziehen. Mit ihm auf dem Schiff sind der Kunstsammler Sonnenschein, ein Kardinal, ein alter Admiral und eine Millionärin, die die Hebung der Titanic betreibt. Unentwegt werden alle Mitreisenden von diesem genialen wissenschaftlichen Kauz belehrt, zurechtgewiesen und tyrannisiert.
Merkwürdig ist nur, dass der grosse Philosoph und Aufklärer Immanuel Kant in einem ganz anderen Jahrhundert gelebt hat und, wie man weiss, aus Königsberg nie herausgekommen ist. So entpuppt sich dieser Komödienkant als einer jener unheimlichen und zugleich lächerlichen Thomas- Bernhardschen Geistesköpfe, die auf tragische und komische Weise, lamentierend, schwadronierend gegen die Daseinsverfinsterung des Lebens ankämpfen. Wenn Kant in der letzten Szene von Bord geht, wird er nicht von einer Abordnung der Columbia University empfangen, sondern von einer ganz anderen Delegation.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren steht wieder ein Stück von Thomas Bernhard auf dem Spielplan des Zürcher Schauspielhauses.
Der Österreicher Thomas Bernhard(1931-89) gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Sein Stück «Immanuel Kant» wurde 1978 in Stuttgart uraufgeführt (Regie: Claus Peymann). Erst dreissig Jahre später folgt nun die Schweizer Erstaufführung. Bernhard starb übrigens an einem 12. Februar – wie Immanuel Kant.
Matthias Hartmann inszeniert das Stück auf einem schwankenden Deck (Bühne: Volker Hintermeier) mit grossem Ensemble: Michael Maertensspielt Immanuel Kant, Sunnyi Melles die Millionärin, und der grosse Bernhard-Schauspieler Traugott Buhre ist als Admiral zu sehen. Hans-Michael Rehberg verkörpert den Kardinal, Wolfgang Michael den Steward und Fritz Schediwy den Kunstsammler Sonnenschein. Aus dem Schauspielhaus-Ensemble sind ausserdem dabei: Karin Pfammatter, Marcus Burkhard, Marcus Kiepe, Michael Ransburg und Siggi Schwientek.
«Das Ende aller Dinge, die durch der Menschen Hände gehen, ist, selbst bei ihren guten Zwecken, Torheit.» Immanuel Kant
Aufführung im Schauspielhaus Zürich: Termine vom 22.1. bis 26.2.2009 Infos unter: www.schauspielhaus.ch
Siehe auch folgene Berichterstattung: www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/tips/129973/index.html

