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über die Selbstfindung junger Intellektueller

Theater Wiesbaden: Krankheit der Jugend - Ferdinand Bruckners spätexpressionistisches Stück bis Ende Juni in Wiesbaden

Während die Medizinstudentin Marie ihre Promotionsfeier vorbereitet, versucht ihre Kommilitonin Desiree mit ihr eine Beziehung anzuknüpfen. Marie lebt in einem ereignislosen Verhältnis mit dem Literaten Petrell, während Desiree alles ausprobiert, was sich bietet, und dennoch nicht findet, was sie sucht.

Ihr Ex-Geliebter Freder stiftet inzwischen die junge Lucy zum Diebstahl an und schickt sie auf den Strich.

Maries Freund Petrell hingegen steigt der überehrgeizigen Studentin Irene nach, um seine Karrierechancen zu verbessern. Marie ist tief verletzt, als sie dies von Freder erfährt und beginnt eine verzweifelte Affäre mit Desiree.

Doch wie Marie Petrell nicht vergessen kann, sehnt sich Desiree nach der erotischen Virtuosität Freders zurück. So experimentiert jeder mit den Gefühlen des anderen und vertieft damit das Beziehungs-Chaos.

Sie suchen nach Sinn und Halt und verlieren sich stattdessen im leeren Rausch. Freder bringt ihre Lebensperspektive auf den Punkt: Flucht ins Bürgerliche oder Selbstmord.

Ferdinand Bruckners spätexpressionistisches Stück über die Selbstfindung junger Intellektueller verursachte zur Zeit der Uraufführung 1926 einen Skandal, weil der Autor mit unsentimentaler Offenheit eine Jugend zeigt, die aus dem Kanon bürgerlicher Werte herausgefallen ist.

Der Autor (der eigentlich Theodor Tagger hieß) wurde 1891 als Sohn eines jüdischen Bankiers geboren. 1922 gründete er das Berliner Renaissance-Theater. 1933 emigrierte er nach Wien, später nach Paris, wo er das antifaschistische Drama ‚Die Rassen‘ schrieb. Nach einigen Jahren in den USA kehrte er 1953 nach Berlin zurück, wo er 1958 verstarb.

Der Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer hat in Wiesbaden außer ‚Carmen‘ und ‚Rigoletto‘ in der Oper Hauptmanns ‚Vor Sonnenuntergang‘ und zuletzt sehr erfolgreich Schnitzlers ‚Das weite Land‘ inszeniert. Er arbeitet u.a. an den Theatern Düsseldorf und Dortmund als Regisseur für Oper und Schauspiel. Schmidt-Rahmer ist Professor für Regie an der Universität der Künste Berlin.

Kleines Haus

Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Christian-Zais-Str. 3
65189 Wiesbaden

Tel.: 0611 / 132 325 (Karten)
Tel.: 0611 / 132 1 (Informationen)

InszenierungHermann Schmidt-Rahmer
Bühne und KostümeMichaela Springer
DramaturgieDagmar Borrmann
Mit:
MarieFranziska Beyer
DesireeSybille Weiser
IreneLissa Schwerm
FrederMichael Birnbaum
PetrellMichael von Bennigsen
AltWolfgang Böhm
Lucy

Magdalena Höfner