Der Regisseur Sebastian Blasius geht in seinem neuen Stück gemeinsam mit dem Tänzer Benjamin Schoppmann der Frage nach, ob das Theater - zeitgenössischen Strömungen zum Trotz - nicht dem Tod ebenso nahe steht wie der reinen Gegenwärtigkeit.
"Die Vergangenheit ist nicht vergangen. Sie richtet sich in der Gegenwart als eine sie überschreitende Möglichkeit auf. Die Vergangenheit ist als diese Vergangenheit die Zukunft des Denkens. Sie ist, was das Denken über sich hinaustreibt." schreibt der Philosoph Marcus Steinweg.
Das Theater und speziell manche zeitgenössischen (dokumentarischen) Theaterformen werden immer wieder mit reiner Gegenwärtigkeit, dem Live-Charakter, der Wahrhaftigkeit in Verbindung gebracht. Aber steht das theatrale Medium nicht dem Tod mindestens so nah, etwa durch seine immanente Flüchtigkeit?
PRESENT CONTINUOUS PAST(S) begibt sich in dieses Spannungsfeld, indem eine vorhandene, zeitgenössische Inszenierung partiell rekonstruiert und mit eigenen, neuen Fragen "übermalt" wird. Man denke hier an die Übermalungen Arnulf Rainers von vorhandenem Bildmaterial, die dadurch, dass Rainer dem Vorhandenen etwas anderes hinzufügt, hinsichtlich von Bedeutung und Ausdruck oft ausgesprochen offene, komplexe Informationen ausspucken und eine Darstellung vor jeglicher Eindeutigkeit bewahren.
Der Tänzer Benjamin Schoppmann wird sich bei dem Vorhaben mit dem Eindruck offenbarer Gegenwärtigkeit einer Bühnensituation auseinander setzen, aber ebenso mit dem, was verdrängt wird, um den Eindruck ‚reiner Gegenwart‘ zu erzeugen.
Der Tänzerkörper wird in Konfrontation mit seinem Eindruck von Gegenwärtigkeit, aber auch mit den Körperlichkeiten und ‚Gespenstern‘ abwesender Personen aus den partiell rekonstruierten Inszenierungen auf sein archivarisches Potenzial befragt.
Als was wird ‚Gegenwart‘ nun lesbar, wenn historische und kontextuelle Tiefendimensionen ins Spiel gebracht werden, etwas Palimpsestähnliches, das die rationale Orientierung des Zuschauers gegenüber dem Wahrgenommenen irritiert?
Der Kunsthistoriker Aby Warburg prägte den Begriff ‚Pathosformel‘ für Ausdrucksformen/-gesten, welche die Antike hervorbrachte und die schließlich verschiedentlich in unserer Kulturgeschichte besiegelt wurden.
Inwiefern sehen wir also (unbewusst) antike Prinzipien oder kulturgeschichtliche Topoi, wenn wir von ‚authentischen‘ Körpern oder ‚unmittelbarer Gegenwart‘ auf der Bühne zeitgenössischer Theaterformen sprechen?
Regie: Sebastian Blasius
Dramaturgie: Daniel Franz
Performance: Benjamin Schoppmann
Die Premierenvorstellungen finden am Samstag, 2. und Sonntag, 3. April 2011 im i-camp/neues theater münchen statt.
Dauer: 45 bis 60 Minu
Ulrich Stefan Knoll
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
i-camp/neues theater münchen
‘PRESENT CONTINUOUS PAST(S)’ (Arbeitstitel) findet mit freundlicher Unterstützung durch i-camp/ neues theater münchen statt.

