Mit der Theatergruppe SkRAT leuchten Theatermann Joseph Berlinger und die donumenta 2009 in die slowakische Theaterszene hinein. Zu sehen ist eine experimentierfreudige, multimediale Inszenierung, ganz im Geist eines grenzüberschreitenden künstlerischen Dialogs. SkRAT verweist mit „dead souls“ zwar auf Nikolai Gogols Stoff aus dem post-napoleonischen Russland, interpretiert ihn im post-kommunistischen Europa aber völlig neu.
Slowakei bei Nacht. Slowakei intim. Anonyme Bewohner eines anonymen Hauses in ihren Küchen-, Schlafzimmer-, Wohnverliesen. Der Zuschauer als gnadenloser Voyeur. Bewaffnet mit einem Suchscheinwerfer… Was so naturalistisch und dokumentarisch anmutet, ist in Wahrheit stilsicher komponiert, in seiner Form radikales postmodernes Theater und bisweilen hochkomisch: eine spannende, atmosphärisch dichte Collage aus Bildausschnitten, Stimmengewirr, Geräuschen und Musikfetzen, melancholische Bilder und magische Sounds in einer zuckenden, zappenden Licht- und Tonregie. Im Focus: einsame, sehnsüchtige Leiber und tote, verlorene Seelen.
Selten war Theater so eindringlich und zudringlich wie in dieser Inszenierung. „dead souls“ - das Theater SkRAT aus Bratislava zitiert mit dem Titel seiner Performance den gleichnamigen Song von Joy Division und den gleichnamigen Roman von Nikolai Gogol. Keiner der Verweise ist programmatisch, und doch gibt es Bezüge.
Gogol konnte zu seiner Zeit, im post-napoleonischen Russland, noch nicht ahnen, welche Brisanz dieser Stoff vom Kaufen und Verkaufen von Seelen 150 Jahre später im postsozialistischen Osteuropa erhalten sollte. Und ohne die Handlung dieses Romans von Gogol in irgendeiner Form aufzunehmen, hat das Theater SkRAT, alleine durch den Titel seiner Performance, einen Kommentar gegeben zur neuen (Un-)Moral des skrupellosen Gewinnstrebens. Die Degradierung des Menschen zur Ware, das Verschwinden jeglicher Ethik und Moral beim Wirtschaften, die Verabsolutierung des Profits und der Rendite auf den globalen Märkten erscheint den meisten osteuropäischen Künstlern als kein alternatives und attraktives Kulturmodell. So wie sich im Song „dead souls“ das „keep on calling me“ mantra-artig wiederholt, so scheinen auch die Künstler zu rufen: Lasst uns in Verbindung bleiben, lasst uns jenseits der reinen Geschäftsverbindungen den kulturellen Dialog zwischen Osten und Westen führen.
SkRAT aus Bratislava gastiert am 03.10.2009, um 20.00 Uhr im Theater der Universität, Universitätsstraße 31, Regensburg.
Eintritt: Vorverkauf € 12, Abendkasse € 15, ermäßigt € 12
Vorverkauf: donumenta Regensburg e. V., Telefon 0941/55133, info@donumenta.de
Weitere Informationen zur donumenta, dem Festival für die Kunst und Kultur der Donauländer, finden Sie unter www.donumenta.de.

