Gesellschaft Freunde der Künste

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Oper von Giacomo Puccini

Theater in Wuppertal: La Bohème am 19.9.2011

Rodolfo, Schaunard, Marcello und Colline – Angehörige der Pariser ›Szene‹ aus (Lebens)Künstlern, Caféhausphilosophen, genialischen Versagern, literarisch hochgebildeten Kellnern, hart arbeitenden jungen Frauen – und hoffnungslos Liebenden. In einem ungeheizten Mietshaus finden sich zwei Menschen: Mimi und Rodolfo. Das Café Momus aber ist warm, es ist eine Bühne, auf der die Gäste ein Stück aufführen, das nicht zu Ende gehen soll, in dem sie selbst sich nicht sattsehen können aneinander.

In stärkstem Kontrast hierzu der Barriere-Akt: Winter, an der Pariser Peripherie. Die beiden Liebenden führen ein schweres Leben miteinander: Mimi ist krank auf den Tod, sie klagt über seine Eifersucht, er will sich und ihr den großen Schmerz ersparen. Doch man trennt sich nicht im Winter, im Frühling ist es einfacher; so ihre gemeinsame, hilflose Verabredung.

Puccini hat seine Librettisten – und es waren die besten seiner Zeit – immerzu gequält mit penibler Kritik; er wusste, was er brauchte: schlüssige situativ-psychologische Vorgänge. Puccini ist ein Realist des Gefühls, anti-idealistisch. Er stellt mikroskopisch genaue Untersuchungen über seine Figuren an, wie sie sich verlieren in ihre Gefühle, Nöte und Sehnsüchte; und die Musik begleitet sie darin. Puccini erfindet hierzu eine neuartige ›musikalische Szenographie‹. Und da er Realist ist, ist er im besten Sinn amoralisch.

Er zeigt nur, was ist. Also erleben wir, zusammen mit Rodolfo, Mimis Tod im Mietshaus, da wo der Zuschauer ihre erste Begegnung beobachtet hat. Ihr Tod ist, wie Puccini ihn komponiert: fahl, verklingend, erschreckend prosaisch. Ein Leben endet, es hat nichts bedeutet, und der Tod adelt es nicht. Verdi hätte das ganz anders gemacht.

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