Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten und Veranstaltungen in unserem Archiv

von William Shakespeare

Theater in Wuppertal: Ein Sommernachtstraum - überführt den Traum einer Nacht in surreale Bilder

„Die Welt ist aus den Fugen“... Was Shakespeare im Hamlet über den Staat Dänemark sagen lässt, gilt nicht minder für seine erotischste Komödie, in der ganz unterschiedliche Sphären miteinander kollidieren: Die höfische Welt Athens, wo vier junge Menschen ihre Liebespfeile hoffnungslos aneinander vorbei zielen und sie im Liebeswahn auf Verfolgungsjagd gehen lässt; oder auf die Flucht vor dem tödlichen Urteil von Athens Herrscher Theseus, der kurz vor seiner eigenen Heirat mit der im Krieg bezwungenen Amazonenkönigin Hippolyta die junge Hermia zwingen will, den ungeliebten Demetrius zu ehelichen – nur weil deren Vater es so wünscht.

Die Flucht führt die jungen Liebenden verbotener Maßen eben in jenen verwunschenen Wald, der die übersinnliche Welt des Elfenreiches beherbergt und wo sich dessen zerstrittenes Herrscherpaar Oberon und Titania mit ihrer Eifer- und Streitsucht das Eheleben zur Hölle macht – was erhebliche Kollateralschäden für alle anderen Personenkreise zeitigt, die sich im Wald aufhalten.

Theater in Wuppertal

Jedem Zuschauer wird schnell klar, dass es sich beim Sommernachtstraum mitnichten um einen süßen, angenehmen Traum handelt, den man am Morgen gerne fortsetzen wollte. Vielmehr durchleben die vier jungen Liebessucher und Titania einen fortgesetzten Alptraum, hervorgerufen durch die vorsätzlichen Bosheiten und Brutalitäten, die die Männer Theseus und Oberon sowie der diensteifrige Gehilfe Puck an Ihnen verüben, um ihre patriarchalische Machtanspruch zu bestätigen.

Schauspiel in Wuppertal

Für den Regisseur Dominique Pitoiset wird der Wald nicht nur zu einer Chiffre dunkler, animalischer Begierden, sondern auch zum absoluten Macht– und Herrschaftsraum der weltlichen und überweltlichen Fürsten, die darin ihr Unterwerfungsspiel mit den Frauen rigoros betreiben. Er überführt den Traum einer Nacht in surreale Bilder, deren Komik dem Schrecken benachbart ist.

Freunde der Kunst

In der grotesken Übersteigerung der Handlung sieht er vor allem die Variation auf ein Thema: der fortgesetzten Gewaltausübung gegen die Frauen. So werden die, die wie Betrunkene und Betäubte durch das Labyrinth der Liebesirrungen taumeln, nicht nur Opfer ihres eigenen Gefühlschaos, sondern vor allem auch männlicher Willkür. Shakespeares ‚Komödie’ wäre nicht so ambivalent, wenn in ihr die Figuren nicht so hart an den Rand des Abgrunds geführt würden.

marketing@wuppertaler-buehnen.de