Seit langem befindet sich Frankreich in einem zermürbenden Krieg mit England. Eine entscheidende Schlacht bei Orleans steht bevor. Doch der französische Thronerbe Karl ist kriegsmüde. Da erscheint aus dem Nichts das Bauernmädchen Johanna und führt die französischen Truppen von Sieg zu Sieg. Als sie sich jedoch in den englischen Offizier Lionel verliebt, wird sie von Schuldgefühlen geplagt.
Theater in Wiesbaden
Überdies wird sie im Moment ihres größten Triumphes (Karl wird zum König gekrönt) von ihrem eigenen Vater der Hexerei beschuldigt. Sie schweigt zu den Vorwürfen und wird verbannt. Ohne Johanna erweist sich die politische Macht des neu gekrönten Königs jedoch als äußerst instabil. Johanna greift in die Entscheidungsschlacht ein, führt den Sieg herbei und stirbt.
Schillers romantische Heldin ist eine ambivalente Figur zwischen grausamer Amazone, religiöser Eiferin und kindlich-reiner Erlöserin.
Schauspiel in Wiesbaden
Als Schiller ‚Die Jungfrau von Orleans‘ schreibt, herrscht Napoleon in Frankreich. Der Umbruch zum 19. Jahrhundert bringt das Verhältnis von Bürger, Herrscher und Staat in neue, ungeklärte Verhältnisse. In seiner Jenaer Antrittsvorlesung bringt Schiller die Frage der Zeit auf den Punkt: ‚Wer sind wir jetzt?‘
Radikale Tatbereitschaft
Und wer sind wir heute? Spielball wahnsinnig gewordener Finanztransaktionen? Bürger eines utopielos gewordenen Westens, der den religiösen Fanatismen keine Vision entgegenzusetzen hat? Zuschauer in einem Welttheater, dessen ‚Helden‘ ihre Macht längst dem Diktat der Ökonomie unterworfen haben? Brauchen wir neue Helden, die das Vakuum an Entwürfen mit radikaler Tatbereitschaft füllen?
Freunde der Kunst
Tilman Gersch, fester Regisseur und Mitglied der Schauspielleitung am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, befragt Schillers romantische Tragödie auf ihre heutige Sprengkraft. Er hat viele Aufführungen am Staatstheater realisiert: ‚Faust‘ von Goethe und ‚FaustIn and out‘ von Jelinek, ‚Leonce und Lena‘ von Büchner, ‚Der Turm‘ nach Uwe Tellkamp, ‚Familie Schroffenstein‘ und viele andere mehr.
Sybille Weiser spielt die Rolle der Johanna und überzeugt das Publikum
Kritikerumfrage Theater heute - Sybille Weiser, Mitglied des Wiesbadener Schauspielensembles ist, als beste Nachwuchskünstlerin erwähnt
Die renommierte Fachzeitschrift Theater heute befragte 42 Kritiker zu den Theaterhöhepunkten der vergangenen Spielzeit 2011/12.


Schillers romantische Heldin gespielt von Sybille Weiser ist eine ambivalente Figur zwischen grausamer Amazone, religiöser Eiferin und kindlich-reiner Erlöserin; (c) Lena Obst




