Finanzschwierigkeiten, Glücksspiel, Damen im Negligé, Pistolenduelle und ein Ball, der zur Orgie wird: Das klingt nach Zutaten für eine deftig-handfeste Operette – ist aber aus der Feder von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss eine feingeschliffene lyrische Komödie. Rittmeister Waldner, ein leidenschaftlicher Spieler ohne Glück, denkt sich zusammen mit seiner Frau Adelaide den Plan aus, seine Tochter Arabella reich zu verheiraten.
Theater in Nürnberg
Schließlich ist die schöne Tochter sein letzter Trumpf, denn der Graf hat den gesamten Familienbesitz verspielt. Das Vorhaben scheint aufzugehen, als ein reicher Fremder um die Hand seiner Tochter anhält. Auch Arabella erkennt Mandryka als „den Richtigen“ an und ist zur Heirat bereit. Beinahe würde alles reibungslos verlaufen, doch da beginnt ein Allegro aus Verwechslungsspiel und Missverständnissen in Liebesdingen. Es bedarf einiger Enthüllungen in der wienerischen Welt des schönen Scheins ...
Nicht umsonst spielt Hofmannsthals Oper im Fasching – zu jener Zeit also, in der nichts das ist, was es scheint. Man täuscht vor, reich zu sein, dabei ist man restlos verschuldet; man setzt alle Hoffnung ins Glücksspiel, während alles ringsum verfällt. Die Situation der Familie Waldner ist eine Paraphrase auf die Gesellschaft zwischen 1918 und 1933 in Österreich, die in verklärter Nostalgie und rückwärtsgewandter Idylle lebt.
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Nicht nur im Libretto wird diese gesellschaftliche Doppelbödigkeit thematisiert, Richard Strauss bringt sie in seiner süffigen Partitur auch zum Klingen: Wiener Walzerseligkeit dient hier als Fassade und wird mit musikalischer Ironie als trügerisch entlarvt. Wie jede Komödie lebt auch „Arabella“ von dem Kontrast der unbeschwerten Grundstimmung zu tiefen, sensiblen Momenten. Der große Bogen von dem sinfonischen Orchesterklang, über lyrische Zartheit in den Gesangspartien bis hin zu erfrischenden Dialogen ist mit leichter Hand aufgebaut.
Die Dresdener Uraufführung 1933 war von der Machtergreifung der Nationalsozialisten überschattet, die jüdische Sänger und den Dirigenten ihrer Ämter enthoben hatte. Die Premiere konnte nur unter allergrößten Schwierigkeiten stattfinden. Doch die politische Situation tat der schnellen Verbreitung und Beliebtheit der Oper keinen Abbruch. Noch heute zählt „Arabella“ zu den meistgespielten Strauss-Opern überhaupt.


Es bedarf einiger Enthüllungen in der wienerischen Welt des schönen Scheins; Fotos: Jutta Missbach


