Ich mich verstellen? Wie kommen sie nur darauf. Das hatte ich niemals nötig.
Theater in Münster
Sexualität und die Doppelmoral
1913 fasste Frank Wedekind (1864–1918) die beiden Bühnenwerke DER ERDGEIST und DIE BÜCHSE DER PANDORA zu einer Tragödie in fünf Akten zusammen: LULU. Ein Stück über Sexualität und die Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft.
Lulu wird als Zwölfjährige von Chefredakteur Dr. Schön von der Straße aufgelesen. Er sorgt für ihre Erziehung, macht sie zu seiner Mätresse und arrangiert, als er vorhat, sich standesgemäß zu verheiraten, eine Heirat Lulus mit Medizinalrat Dr. Goll. Als dieser herausfindet, dass Lulu ihn mit dem Maler Schwarz betrügt, trifft ihn der Schlag.
Lulu wird daraufhin die Ehefrau des Künstlers, setzt jedoch heimlich ihr Verhältnis mit Dr. Schön fort. Als Schwarz von der Untreue seiner Frau erfährt, begeht er Selbstmord. Letztlich überzeugt Lulu Dr. Schön davon, sich mit ihr zu vermählen. Daneben hat sie Affären mit zahlreichen Verehrern, u. a. mit Dr. Schöns Sohn Alwa, der Gräfin Geschwitz und dem Athleten Rodrigo. Sie alle sind Lulu, der femme fatale, verfallen. Doch auch Lulu zahlt ihren Preis.
Freunde der Kunst
In expressiven Bildern zeigt Hans Henning Paar den Aufstieg und Niedergang Lulus und ihre verzweifelte Suche nach Liebe. Klaglos spielt sie die Rollen, die ihre Partner in ihr sehen wollen. Letztlich zerbricht Lulu daran, dass sie von allen nur als Objekt der Begierde wahrgenommen wird, jedoch sind Schuld und Unschuld, Täter- und Opferrolle in Wedekinds Tragödie nicht klar voneinander zu trennen.


Ein Stück über Sexualität und die Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft. © Oliver Berg, Theater Münster


