20 Jahre nach der Uraufführung: das feuergefährliche Benzin auf dem Dachboden, das unser Gottlieb Biedermann riecht und das ihn ängstigt und das er als Haarwasser deklariert, hat sich inzwischen vermehrt: es reicht für einen Weltenbrand”, schreibt Max Frisch 1978. Über 30 Jahre später sind die Gefahren, die unvermittelt ins Leben einbrechen, weiter gewachsen. Aber überfallen sie uns wirklich von außen, oder trägt eine Gesellschaft den Keim ihrer Zerstörung in sich selbst? Biedermann, ehrgeiziger Geschäftsmann und Hauseigentümer, terrorisiert gern: Strebt er, gemäß bürgerlicher Werte, nach äußerem Erfolg, so geht er zu diesem Zweck beiläufig über Leichen. Zur Verschleierung der eigenen Ungeheuerlichkeit schürt er, wie eine ganze Gesellschaft von Biedermännern, Stellvertreterängste. Die nivellierenden Angstformeln ihrer Stammtischpolitik erschweren allerdings den Blick auf wirkliche Gefahren: So akzeptiert Biedermann die Brandstifter auf seinem Dachboden bereitwillig. Den Erklärungen zu ihren Absichten kann er ohnehin nichts entgegensetzen. Stattdessen übt er sich im Verdrängen. Als auch ihn angesichts von Benzinfässern und Zündschnüren ein ungutes Gefühl überkommt, wird er doch aktiv – er versucht die Freundschaft der Brandstifter zu gewinnen und so das Unheil zumindest von sich selbst abzuwenden.
Frischs „Lehrstück ohne Lehre” um die kleinen, feigen Falschheiten, die doch eine Welt in den Abgrund reißen, hinterlässt auch in einer heutigen Gesellschaft deutliche Brandspuren.
Inszenierung Marcus Mislin
Bühne Ines Alda
Kostüme Jutta Delorme
Dramaturgie Katharina Gerschler
Staatstheater Mainz GmbH
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