„Eine Scheußlichkeit, die fasziniert“, so widersprüchlich nannte der berühmte Theaterkritiker Friedrich Luft das Theaterstück Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, das im Jahr 1963 seine Berliner Erstaufführung hatte. Mittlerweile ist dieses well-made-play des amerikanischen Autors Edward Albee zum Klassiker aller Ehedramen auf den Bühnen avanciert und hat seinen festen Platz in allen Theaterspielplänen der Welt.
Ein „mittelalterliches“ Ehepaar aus Akademikerkreisen kommt von einer Party nach Hause und hat sich noch Gäste eingeladen, um seinen Ehekrieg in eine neue Schlacht zu führen. Liebe, Hass, Verbitterung, Frustration – all diese Ingredienzien des Lebens werden in diesem nächtlichen Cocktail zusammengemischt und landen letztlich in der Zerstörung einer gemeinsamen Lebensillusion, die vielleicht sogar eine Befreiung darstellen könnte.
Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
Den Titel zum Stück verdankt Edward Albee einem unbekannten Trinker mit Sinn für Literatur und Lust auf Graffitis. Jahre vor Entstehung seines erfolgreichsten Dramas entdeckt Albee den Satz „Who’s Afraid of Virginia Woolf?“ an der Wand eines New Yorker Nachtlokals und verwendet ihn 1962, um das in Arbeit befindliche Theaterstück Exorzismus neu zu übertiteln. Dieser Satz ist eine Variation des populären, aus dem Walt-Disney-Film Three Little Pigs stammenden Liedes Who’s Afraid of the Big Bad Wolf? Film und Lied entstanden im Jahr 1933.
Edward Albee sieht in dem Sprachspiel einen typischen Intellektuellenwitz: „Wer lacht schon über so was außer ein paar volltrunkene Akademiker?“ Über die Verbindung zwischen dem Drama und der englischen Literatin Virginia Woolf, die für ihre avantgardistische Erzähltechnik, ihr saloppes Sexualleben und ihren Freitod 1941 Weltruhm erlangte, wurde viel spekuliert. Albee selbst übersetzt die Frage nach der Angst vor Virginia Woolf mit „Wer hat Angst, sein Leben ohne Illusionen zu leben?“.
In New York fand 1962 die Uraufführung dieses Stückes statt, das zwei Jahre lang en suite am Broadway gespielt wurde und dem Autor internationales Renommee und zahlreiche Preise eintrug. 1966 wurde das Stück mit Elisabeth Taylor und Richard Burton verfilmt. Edward Albee mittlerweile 83 Jahre alt, erhielt 2004 den Nestroy-Autorenpreis für sein Stück Die Ziege oder Wer ist Sylvia.
In der Linzer Aufführung von Wer hat Angst vor Virginia Woolf? spielen Julia von Sell, die ehemalige Burgtheaterschauspielerin, und Lutz Zeidler das Ehepaar Martha und George; Manuel Klein (Nick) und Nancy Fischer (Putzi) sind das junge Ehepaar, das in die Auseinandersetzung hineingezogen wird.
Peter Wittenberg (Regie)
Peter Wittenberg ist 1960 in Hamburg geboren. Er arbeitete zunächst als Möbelrestaurator in Italien, bevor er sich dem Theater zuwandte. Er assistierte u. a. am Schillertheater in Berlin und am Wiener Burgtheater. |
Seit 1992 ist er als freier Regisseur tätig und inszenierte u. a. am Burgtheater Wien, an der Schaubühne Berlin am Deutschen Theater in Berlin und an den Kammerspielen in München. Am Landestheater Linz hat er in den vergangenen Jahren Des Meeres und der Liebe Wellen, Quartett und Nathan der Weise inszeniert.
Florian Parbs (Bühne und Kostüme)
wurde in Hamburg geboren. Er arbeitete nach seinem Studium in Wien und Hamburg als Bühnen- und Kostümbildner u. a. in Basel, Zürich, Köln, Bochum, Düsseldorf, München, Frankfurt am Main, Nürnberg und Wien für Schauspiel- und Opernproduktionen. Er war Ausstattungsleiter bei Tobias Richter und Andras Fricsay am Bremer Theater. Danach arbeitete er wieder freischaffend an Häusern wie dem Schauspiel Frankfurt, dem Nationaltheater Mannheim, dem Residenztheater München, dem Landestheater Linz und dem Volkstheater Wien, u. a. mit dem Filmregisseur Peter Greenaway und dem bulgarischen Schauspielregisseur Dimiter Gotschef. Für das Landestheater Linz hat er in den vergangenen Spielzeiten Bühne und Kostüme für Das Käthchen von Heilbronn, Delirium zu zweit, Falsch verbunden – Disconnect, Geschichten aus dem Wiener Wald (uvm) entworfen. Außerdem stammt der Bühnenraum im Theater Eisenhand von ihm.
Jacob Suske (Musik)
geboren 1980 bei Graz / Österreich, lebt heute in Berlin. Er absolvierte ein Jazzstudium in Bern, Luzern und New York. Als langjähriges Mitglied von „Lunik“ erhielt er Gold- und Platinplatten, mit den Bands „Lunik“ und „Bonaparte“ unternahm er mehrere europaweite Tourneen. Heute ist er vor allem mit seiner Stammformation „One Shot Orchestra“, als „Zachov“ und unter eigenem Namen unterwegs. Jacob Suske arbeitete schon für diverse Theaterhäuser, u. a. für das Deutsche Theater Berlin, das Schauspiel Frankfurt, das Luzerner Theater, das Deutsche Theater Göttingen, Theaterhaus Jena, Stadttheater Bern und das Neue Theater Halle. Vergangenes Jahr steuerte er die Musik zur Inszenierung Nathan der Weise im Großen Haus am Landestheater Linz bei.
Julia von Sell (Schauspielerin)
Die gebürtige Berlinerin beendete 1980 ihre Schauspielausbildung an der Essener Hochschule Folkwang für Musik, Theater und Tanz. Ihr erstes Engagement trat sie in Bochum an, wo sie unter anderen mit Claus Peymann, Manfred Karge/Matthias Langhoff, George Tabori und Alfred Kirchner arbeitete.
1986 ging Julia von Sell mit Claus Peymann ans Wiener Burgtheater und war bis 1999 fixes Ensemblemitglied. Dort spielte sie in Produktionen von Leander Haußmann, Karin Henkel, Ruth Berghaus, Claus Peymann und Einar Schleef. Und war als „Prothoe“ in Penthesilea, „Marie“ in Clavigo, „Die Braut“ in Die Kleinbürgerhochzeit, „Lena“ in Leonce und Lena und „Perdita“ in Ein Wintermärchen zu sehen. Von 1997 bis 2000 arbeitete von Sell für das Kunstfest Weimar; 1999 versuchte sie sich erstmals selbst als Autorin. 2001 inszenierte sie mit Karsten Wiegand Goethes Faust 1 am Nationaltheater Weimar und erhielt prompt den Bayerischen Theaterpreis dafür. Am Landestheater Linz hat Julia von Sell Minna von Barnhelm und Das stille Kind inszeniert.
Seit 2006 unterrichtet sie als Gastdozentin das Fach Rollengestaltung an der Anton Bruckner Privatuniversität.
Premiere am 1. Oktober 2011 um 19.30 Uhr in den Kammerspielen
Weiterer Termine 3., 6., 7., 19., 20. und 28. Oktober 2011
Inszenierung Peter Wittenberg
Bühne und Kostüme Forian Parbs
Musik Jacob Suske
Dramaturgie Franz Huber
Besetzung
Martha Julia von Sell
George Lutz Zeidler
Putzi Nancy Fischer
Nick Manuel Klein
Mag. Inez Ardelt
Presse- und Medienarbeit
OÖ Theater und Orchester GmbH
Landestheater Linz
Promenade 39, A-4020 Linz
Tel.: +43 732 7611-321 (Fax: -421)
www.landestheater-linz.at

