Ist’s ein Zaubermärchen oder ein dramatisierter Erziehungsroman, ein freimaurerisch inspiriertes „Credo“ aufklärerischen Geistes oder prall-buntes Volkstheater aus der Wiener Vorstadt? Oder gar der Vorläufer eines aktuellen PC-„Fantasy“-Spiels, in dem Tamino, Pamina, Papageno & Co schlichtweg Rollenangebote der „Second World“ sind, die den zur Masse verkommenen „Usern“ des 21. Jahrhunderts die Möglichkeit eines heroischen Lebens suggerieren?!
Theater in Linz
Wie auch immer die jeweilige Inszenierung diese „Gretchen-Frage“ beantworten mag: Mozarts Zauberflöte ist der Österreicher liebstes Opern-Kind – die Geschichte vom Prinzen Tamino, der sich in das „bezaubernd schöne“ Bildnis Paminens verliebt und von der Königin der Nacht ausgesandt wird, um die Geliebte aus den Händen Sarastros, des Beherrschers des Sonnentempels, zu befreien, wird durch eine ebenso intelligente wie widersprüchliche Dramaturgie zu einem vergnüglich-nachdenklichen Menschheitsdrama. – Die Grundfrage der Aufklärung: „Was ist der Mensch?“ – so formuliert von Immanuel Kant – wird von Mozart und Schikaneder überaus lebensnah beantwortet.
Oper in Linz
So verkörpern Tamino und Pamina das Ideal einer sittlich fundierten Lebens- und Liebesverbindung, während Papageno und Papagena sich ganz und gar metaphysikfrei den sinnlichen Freuden des Daseins hingeben dürfen. Doch die Frage, welches Lebensprinzip den Liebenden zu ihrem Glück verhilft, wird weit weniger eindeutig beantwortet. Die vermeintlich naheliegende Doppel-Gleichung: männlich + vernunftorientiert = objektiv + gut (das Prinzip „Sarastro“) bzw. weiblich + gefühlsorientiert = subjektiv + böse (das Prinzip „Sternflammende Königin“) geht nicht auf; vielmehr emanzipieren sich Tamino und Pamina von beiden Über-Eltern und versöhnen die scheinbar widerstreitenden Prinzipien: „Mann und Weib und Weib und Mann, reichen an die Gottheit an.“
Freunde der Kunst
Vom vielfach ausgezeichneten und weltweit inszenierenden Musical- und Opernregisseur Amon Miyamoto (unter anderem Tokyo, London, New York und Vancouver) und seinem international aufgestellten Produktionsteam darf eine Zauberflöte erwartet werden, die im Hier und Jetzt des 21. Jahrhunderts verortet ist und die mit zeitgenössischen Bildästhetiken allen „Staub“ mitteleuropäischer Aufklärungslust in schillerndes „Gold“ verwandeln wird: eine Zauberflöte für das dritte Jahrtausend!


intelligente wie widersprüchliche Dramaturgie; © Reinhard Winkler