Was auf dem Höhepunkt eines wilden Balls im Hause des Prinzen Orlofsky mit diesen Worten gefeiert wird – der Verbrüderungsrausch einer taumelnden Gruppe Vergnügungssüchtiger – markiert nur das retardierende Moment, den kurzen Schlenker auf einem Weg, der gleich zu Beginn der Operette drohend vorgezeichnet ist. Ins Gefängnis soll es gehen, und zwar für Gabriel von Eisenstein, der sich an einem Amtsdiener in Wort und Tat vergriffen hat.
Rosalinde, seine Frau, trifft dies nicht ganz so schwer, wie man annehmen möchte, dafür sorgt ihr verflossener Geliebter Alfred, der just wieder einmal vorbeigeschaut und ihr ein Rendezvous abgerungen hat. Und auch Eisenstein weiß sich zu trösten: Sein bester Freund Falke holt ihn zu einem Abendvergnügen ab, das ihm die Aussicht auf den Arrest etwas leichter machen soll – Prinz Orlofsky hat zu einem Fest geladen.
Theater in Linz
Dort offenbart sich, was die Gesellschaft zusammenhält: Verstellung und Rollenspiel, vermeintlich vornehme Herrschaften, wo man nur hinsieht. Den Höhepunkt des Balls markiert das Erscheinen einer schönen Unbekannten, der Eisenstein als Ausdruck seiner Zuneigung ein wertvolles Taschenührchen vermacht.
Freunde der Kunst
Auf den unbändigen Champagnerrausch folgt die Ernüchterung des nächsten Morgens: Im Gefängnis stellt sich heraus, dass es bereits einen Insassen unter dem Namen Eisenstein gibt, gewandet in dessen Schlafrock (es ist Alfred, der bei Rosalinde aufgegriffen und mit dem Hausherrn verwechselt wurde!); darüber hinaus erscheint die schöne Unbekannte vom Ball und entpuppt sich – ausgerechnet! – als Eisensteins Ehefrau Rosalinde. Und auch der größte Spieler des letzten Abends legt seine Karten auf den Tisch … Am Ende steht es zwischen Eisenstein und Rosalinde nun Schlafrock versus Taschenührchen: Wird sich das Paar bei dieser Indizienlage wieder zusammenraufen?
Premiere am 14.12.2013
Ein Glücksfall war es, der 1874 zu dieser Konstellation aus Komponist, Librettist, Ort und Zeit führte und – nach dem Vorbild der Pariser Operetten von Offenbach und Co – dieses Prunkstück der Wiener Operette entstehen ließ. Als lustvolle Satire auf eine so lebenslustige wie abgründige Gesellschaft unterläuft Strauß’ Meisterwerk auch musikalisch jede bürgerlich kodierte Gefühlsäußerung und versprüht dabei betörenden, weil ironisch-subversiven, zeitlos mitreißenden Charme.
ardelt@landestheater-linz.at


Am Ende steht es zwischen Eisenstein und Rosalinde nun Schlafrock versus Taschenührchen; © Armin Bardel