Wie heißt es so schön im Volksmund: Man trifft sich immer zwei Mal. Was für’s Leben gilt, gilt auch für die Kunst im Allgemeinen und insbesondere für die Operette aller Operetten: Die Fledermaus von Johann Strauss aus dem Jahre 1874.
Theater in Kassel
Ein Werk liegt vor uns, das, glaubt man der Legende, in einem einzigen Schaffensrausch binnen 42 Tagen vollendet wurde und dessen Esprit und musikalische Brillanz die Zeiten locker überdauert haben. Die Kontrahenten in dieser gleichermaßen delikaten wie doppelbödigen Geschichte um eheliche (Un-)Treue und falsche Verheißungen sind der flotte Rentier Gabriel von Eisenstein und sein Freund, der Notar Doktor Falke.
Diesem hat Eisenstein vor Jahren übel mitgespielt; seither sinnt der Gefoppte auf Rache. Günstige Gelegenheit bietet dem Advokaten eine amouröse Verwicklung, darin Eisenstein die männliche und eine geheimnisvolle ungarische Gräfin die weibliche Hauptrolle spielen. Die Protagonisten erfüllen die Vorgaben mit gehörigem erotischem Einsatz – allerdings keineswegs mit dem vom selbst ernannten Großliebhaber erhofften Ziel.
Zu spät merkt Eisenstein, dass er das Opfer einer gezielten Gesellschaftsintrige geworden ist. Doch nicht nur er steht am Ende nackt da. Auch die vermeintliche Gräfin (die keine Geringere als seine Ehefrau Rosalinde ist) muss eingestehen, dass sie sich selbst nicht allzu katholisch verhalten hat.
Freunde der Kunst
Damit aber die aristokratische Ordnung nicht aus den Fugen gerät, behilft man sich gegenseitig mit der größtmöglichen Milde, sprich: Man verzeiht einander, schwört sich erneute, diesmal aber ewige Treue und versucht es noch einmal miteinander …


Die Protagonisten erfüllen die Vorgaben mit gehörigem erotischem Einsatz; (c) N. Klinger



