Widerstandskämpfer oder genialer Stratege und Feldherr, Befreier Germaniens oder Symbol der Einheit aller Deutschen – Hermann der Cherusker ist seit seiner „Wiederentdeckung“ im 15. Jahrhundert ein Held vieler Lesarten, eine ebenso sagenumwobene wie umstrittene Figur der deutschen Klassik und als „Begründer“ einer deutschen Geschichte höchst fragwürdig. Heinrich von Kleist hatte sein Drama Die Hermannsschlacht für den „Augenblick berechnet“, der erfolgreiche Aufstand der Germanen gegen die römische Besatzung galt ihm und seinen Zeitgenossen als Vorbild für den deutschen Widerstand gegen Napoleons Heere.
Spätestens nach der Reichsgründung 1871 wandelte sich das Bild Hermanns. Der Fürst ersetzte den Krieger, sein rebellisches, anarchisches und auch gewalttätiges Potenzial wurde gezähmt, er wurde zum Denkmal. Ein Deutsches Reich, das selbst politische Vorherrschaft anstrebte, hatte für einen antiimperialistischen Hermann keine Verwendung mehr. Aus dem „Versprechen“ der Hermannsschlacht, „dass Widerstand nicht nur möglich, sondern zuletzt auch erfolgreich sein würde“, wie der Politikwissenschaftler Herfried Münkler in seinem Buch Die Deutschen und ihre Mythen schreibt, wurde ein Symbol für die Bildung nationaler Identität und die Abgrenzung gegen Einflüsse von außen.
Kleist zeigt uns Hermann als brillanten Strategen. Nach außen hin ein Freund und Verbündeter des römischen Feldherrn und Statthalter Germaniens, Quintilius Varus, plant Hermann insgeheim den bewaffneten Widerstand; gegen die Tücke der Römer setzt er seine eigene List und schlägt seinen Feind mit dessen eigenen Waffen. Er führt Krieg nach innen und nach außen zugleich, gegen die Besatzer und gegen die „Abtrünnigen“ in den eigenen Reihen.
200 Jahre nach Heinrich von Kleists Tod ist Hermann noch immer ein Politikum. Was für ein Held kann Hermann heute jenseits deutschen Nationalgetöses für uns sein? Um welche Identität ringen wir im Zeitalter der globalen Märkte und digitalen Vernetzung? Gegen welche „Besatzung“ richtet sich unser Widerstand? Für welche Freiheit kämpfen wir? Und mit welchen Mitteln?
Der junge Regisseur Simon Solberg hat sich mit Klassikerbearbeitungen einen Namen gemacht, die die Denkmalpflege der Literatur zugunsten einer aktuellen und politisch brisanten Lesart in Frage stellen. Dabei entsteht unterhaltsames, rasant-energetisches Theater, das uns im besten Sinne den Spiegel vorhält. Solberg inszenierte u. a. am Nationaltheater Mannheim, Schauspiel Frankfurt, Maxim Gorki Theater Berlin, Deutschen Theater Berlin und Staatsschauspiel Dresden.
Er war bereits zweimal zu „Radikal jung – Das Festival junger Regisseure“ in München eingeladen. Bühnenbildnerin Maike Storf arbeitete u. a. in Berlin am HAU und an der Volksbühne, am Theater Oberhausen, am Thalia Theater Hamburg, am Theater Heidelberg und der Skala Leipzig. Für Maschinenwinter in Leipzig wurde sie in Theater heute als „Nachwuchsbühnenbildnerin des Jahres“ nominiert.
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