»Oh, wenn das Leben so wäre, dass alles jünger und schöner wird!«
Theater in Hannover
Als Tschechow 1900 in Jalta, fern von Moskau, an den Drei Schwestern arbeitete, war er bereits deutlich von schwerer Krankheit gezeichnet. Vielleicht sind deshalb seine Figuren so voller Leben und bereit, sich der Liebe hinzugeben. Sie haben einen solchen Drang zum Leben, dass sie oft gerade deshalb am ihm scheitern. Wie soll man leben? Nach Moskau, nach Moskau! Olga, Mascha und Irina wünschen nichts sehnlicher, als in die Stadt ihrer Kindheit, die zum Sehnsuchtsort verklärt wird, zurückzukehren.
Einzig die Hoffnung, dass ihr Bruder Andrej einen Ruf als Professor an die Moskauer Universität erhält und sie dann mitnehmen wird, lässt Olga, Mascha und Irina die Provinz noch aushalten. Am Anfang des Stückes steht Irinas Namenstagsfeier, die das Trauerjahr um den verstorbenen Vater ablöst. Eine Befreiung! Tod und Leben aufs engste miteinander verwoben.
Freunde der Kunst
Die Handlung wirbelt weiter, und vielleicht hat das Leben und Lieben der tschechowschen Figuren das große Feuer im dritten Akt entfacht. Da sind die Soldaten, die für diese Ablenkung und Verwirrung der Gefühle gesorgt haben, schon fast abgezogen. Am Ende sind die drei Schwestern allein. Andrej hat sich in der Provinz eingerichtet, Moskau ist in unerreichbare Ferne gerückt, und es stellt sich die Frage: Ist das Leben vorbei, oder fängt es jetzt erst an?
tanja.schulz@staatstheater-hannover.de


Als Tschechow 1900 in Jalta, fern von Moskau, an den Drei Schwestern arbeitete, war er bereits deutlich von schwerer Krankheit gezeichnet; © Katrin Ribbe

