Sein Sold reicht dem einfachen Soldaten Woyzeck nicht aus, um seine Geliebte Marie und das gemeinsame Kind zu versorgen.
Theater in Graz
Und so tut Woyzeck seinen Dienst, isst Erbsen für ein medizinisches Experiment über Bewusstseinsveränderungen, rasiert den Hauptmann. Er hetzt, dient, duldet, wird schikaniert, beschämt, unterworfen, und hält sich an die Verse „Leiden sei all mein Gewinst, Leiden sei mein Gottesdienst“. Marie ist ihm dabei ebenso sehr seelischer Anker wie verbliebener Machtbereich.
Rasende Eifersucht, Wahnsinn und physische Degeneration verschmelzen schließlich zu einem einzigen lauten Schmerz. Woyzeck ist die „offene Wunde“ (Heiner Müller) der Demütigung in unserem kollektiven Gedächtnis. Büchner zeigt einen empfindsamen Menschen, dem das Menschsein versagt wird, und der schließlich selbst tötet. An Marie wird Woyzeck, das Opfer, zum Täter.
Büchner konnte sein Werk nicht vollenden. Es existieren mehrere, teilweise konkurrierende Handschriften, und es ist nicht zu klären, ob die offene Struktur des Dramas Büchners Absicht entsprach oder daraus resultiert, dass der Autor während des Schreibprozesses starb.
Freunde der Kunst
Diese Offenheit der Form nimmt Oliver Frljić zum Anlass für eine freie Auseinandersetzung mit BüchnersDramenfragment. Der bosnisch-kroatische Regisseur und Intendant des Nationaltheaters in Rijeka ist bekannt für seine konfrontativen, bildgewaltigen und schonungslosen Theaterarbeiten und zählt zu den wichtigsten Regisseuren des ex-jugoslawischen Raums. Am Schauspielhaus Graz inszenierte er 2013 Where do you go to, my lovely?


Er hetzt, dient, duldet, wird schikaniert, beschämt, unterworfen, und hält sich an die Verse „Leiden sei all mein Gewinst, Leiden sei mein Gottesdienst“; (c) Lupi Spuma

