Romantische Oper? Musikalisch ist Wagners »Lohengrin« mit Sicherheit ein Schwellenwerk, das den endgültigen Abschied von der traditionellen Nummernoper feiert und sich unaufhaltsam zur durchkomponierten Großform hinwendet. Doch dramaturgisch schimmert die Romantik noch sehr präsent durchs Geschehen. Da wird die Historie des 10. Jahrhunderts rund um den deutschen König Heinrich, der politische Kampf zwischen Ost und West, märchenhaft überhöht und lässt sich in ein scheinbar eindeutiges Gut und Böse einteilen.
Der Schwanenritter Lohengrin als Retter der verleumdeten Unschuld Elsas und gleichermaßen des gefährdeten Herrschaftssystems. Und doch geht hier ein spürbarer Riss durch die dargestellte Welt, der deutlich macht, dass einfache Bewertungsmuster nur noch verzweifelte Sehnsüchte nach Idealwelten sind. Das goldene Zeitalter ist längstens verloren, harte Realitäten zwingen auf den Boden der Tatsachen. Lohengrin entschwindet wie ein Traumbild.
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Quelle: Theater Freiburg

